Gemeindeentwicklung in Gersthof

Am 5. und 6. Oktober 2018 hat sich der Pfarrgemeinderat von Gersthof in einer Klausurtagung mit dem Thema Gemeindentwicklung in unserer Pfarre auseinandergesetzt.
Am Sonntag, 14. Oktober, hat dessen Mitglied Günter Schmölz in der Gemeindemesse die in der Klausurtagung entstandenen Impulse der Gemeinde vorgestellt. Hier finden Sie, was er vorgetragen hat:

Wir, 12 Mitglieder des Pfarrgemeinderates, waren am vergangenen Wochenende gemeinsam zwei Tage auf Klausur in Altlengbach. Begleitet wurden wir von dem bekannten Pastoraltheologen Professor Paul Michael Zulehner.

Bei dieser Klausur haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir unsere Pfarrgemeinde Gersthof sehen und wie wir uns ihre Zukunft vorstellen und wünschen.

Das Motto der Klausur war: Im Rahmen oder den Rahmen reformieren?

Um es klar auszudrücken: Wollen wir im vorgesehenen Rahmen der Erzdiözese Wien bleiben und Teil einer Großpfarre werden oder entwickeln und kämpfen wir für ein anderes Zukunftsmodell wo wir als selbstständige Pfarre Gersthof erhalten bleiben.

In der Spur von Papst Franziskus ermutigt Prof. Paul Zulehner, eine neue Gestalt von Kirche zu suchen, denn derzeit laufen wir in Gefahr, dass wir zwar perfekte Strukturen in der Erzdiözese Wien schaffen, aber auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu wenig Rücksicht nehmen.

Mit einer zuversichtlichen Gelassenheit erinnert Paul Zulehner daran, dass in den letzten Jahrzehnten immer wieder das Kirchrecht verändert worden ist. Es bildet das Leben ab, soll aber das Leben nicht verhindern. Er erinnert in diesem Zusammenhang an das Sabbatgebot und an Jesus, der demonstrativ und provokant gesagt hat, der Mensch steht über dem Sabbat. Und wenn sozusagen der Sabbat den Menschen nicht mehr dient, weil ein Mensch z.B. krank ist, dann hat das Heilen Vorrang vor der Gottesverehrung. Und das ist damals unglaublich gewesen. Der Vorrang des heilungsbedürftigen Menschen vor den höchsten Gesetzen Israels. Wir sollten uns daher nie Denkschwellen aufstellen und sagen, das ist doch Gesetz, das ist doch die vorgegebene oder vorgesehene Ordnung. Machen wir uns immer wieder bewusst, das Evangelium ist wichtiger und weiter als das Gesetz.

Wir haben über die Zukunft gesprochen und Paul Zulehner hat uns gefragt – und ich zitiere ihn im Folgenden – welchen Anteil hat Pfarrer Norbert am bisher Erreichten? Was ist sein Anteil an unserem pastoralen Standard hier? Geht das auch ohne ihn? Wird das auch mit einem anderen gehen? Das sind Fragen, die wir uns stellen müssen. Ist das Unseres? Oder ist es geliehen? Sind wir’s oder ist es er? Wenn wir sagen, es sind wir, dann müssen wir nachdenken, wie es weitergeht. Wenn wir sagen, es ist er, dann verabschieden wir uns von der Ära mit ihm. Paul Zulehner war vor der Klausur in unserem Sonntagsgottesdienst und dann hat er gemerkt, es war nicht nur der Norbert, sondern die Messe-feiernde Gemeinde. Der Gottesdienst ist bei uns getragen von einer Vielzahl von Kräften. Und diese Frage ist entscheidend: wenn nur er die Hauptressource ist, dann fügen wir uns, dann machen wir weiter mit  in einer neuen Großpfarre, dann gewinnen wir vielleicht etwas, was den Norbert ersetzt. Dann sind wir in einem größeren Raum und wir werden getragen…

…aber wenn wir das sind, dann haben wir viel mehr Kraft nachzudenken, ob es zu dem bestehenden Offert der Diözese, das in Richtung Großpfarre geht, legitime Alternativen gibt, über die wir legitimer Weise nachdenken können und sollten. Und dann müssen wir evaluieren, wenn es Alternativen gibt, was ist das bessere für uns? Diese Frage, welchen Weg wir wie gehen wollen, diese Frage haben wir noch nicht geklärt. Das ist unsere gemeinsame Erkenntnis aus der Klausur heraus.

Es gibt Bereiche, die wir besser im Entwicklungsraum Währing wahrnehmen können, wie Ökumene, Caritas oder Jugendarbeit und es gibt viele Bereiche, die in einer lokalen selbstständigen Verantwortung bleiben sollten wie z.B. die Eucharistiefeier. Es geht um die Balance zwischen lokal und regional, um sowohl die Menschennähe zu wahren als auch um Synergien in einem großen Raum zu nutzen. Der Weg, den wir als Pfarre gehen ist nur dann ein guter, wenn er von einer großen Mehrheit der Pfarrgemeinde mitgetragen wird.

Eine Pfarre hat eine Seele. Können wir diese Seele am Leben erhalten, wenn die Pfarre in eine Teilgemeinde umgewandelt wird? Machen wir uns bewusst, die Pfarre ist ein Knotenpunkt in der Jesusbewegung mit offenen Rändern. Ohne entschlossene Christinnen und Christen, die sich in der Jesusbewegung vernetzen, wird die Kirche im Land keine Zukunft haben. Nur wenn Bewegung aufkommt, hat neues Leben eine Chance. Wenn wir in den alten Strukturen verharren, nur um sie zu retten, dann könnte es passieren, dass wir „zusammenschrumpfen“. Paul Zulehner sagt ganz offen, wir haben einen Kirchenbetrieb unter Josef II. geerbt und den können wir nicht mehr ausreichend mit Pfarrern bespielen. Jetzt machen wir die Pfarren so groß, dass jede Pfarre wieder einen Pfarrer hat. Das ist die interne Logik. Aber das ist kein Sprung in die Zukunft.

Denn nur wo Bewegung aufkommt, hat die Sache wieder eine Chance. Wir versuchen zu sehr die alten Bilder der Gestalt der Kirche zu retten. Vielleicht wollen wir doch daran mitarbeiten, den derzeitigen Rahmen zu reformieren.

Lassen wir es einfach zu, dass neben den bestehenden Strukturen Neues wachsen kann. Papst Franziskus ruft auf, mutige Vorschläge zu machen.
Das Pastoralkonzept für die Pfarre Gersthof ist der unmittelbar nächste Schritt.

Die Zukunft ist mit Sicherheit offen. Wir bitten Sie/euch um Hilfe, um Mitarbeit und auch um Ihr/euer Gebet für eine freie, vielfältige, liebevolle und friedliche Zukunft unserer Pfarre, unserer Gemeinde, unserer Nachbarpfarren. Und wie hat Prof. Zulehner so schön gesagt: Vergessen wir nicht auf das Wichtigste: Lasst uns eintauchen in Gott und auftauchen bei den Armen.

 

Ein Kommentar Gemeindeentwicklung in Gersthof

  1. Helga Kneuer Antworten

    19.10.2018 bei 21:09

    Wir sind im gleichen Jahr nach Gersthof gezogen in dem Pfr. Norbert die Pfarre übernommen hat. Es hat eine Weile gedauert bis ich die Gemeinde kennengelernt habe. aber dann wollte ich unbedingt ein Teil von ihr werden. Ohne Pfr. Norbert konnte ich mir Gersthof lange nicht vorstellen. Mit der Zeit habe ich aber bemerkt wie viele Menschen dort ehrenamtlich tätig waren. Ohne diese Frauen, und ab und zu auch Männer hätte die Pfarre nicht funktioniert.In einer Großpfarre wäre das so nicht möglich gewesen. Für die Zukunft hoffe ich, dass es gelingt weiterhin eine keinere Struktur zu behalten und sich weiterhin Priester finden werden, die gern in einer so lebendigen Pfarre arbeiten.
    Dass in der Verwaltung manche Bereiche zusammengelegt werden könnten muss sorgsam überlegt werden.Jede Kommunionvorbereitung und Firmvorbereitun ist auch für die Gemeind eine Chance. Wir sollten auch bedenken, dass in Zukunft für die nachfolgenden Generationen das Leben nicht mehr so einfach sein wird wie heute. Wenn wir an den Klimawandel denken. dann wird eine gute Gemeinde vielleicht auch eine Hilfe sein und ein Zufluchtsort. Gersthof war schon für Vertriebene und Flüchtlinge Zufluchtsort.Dabei ist es auch immer um individuelle Begegnungengegangen, die meiner Meinung nach in einer Großpfarre niemals möglich sind.
    Wenn wir die Worte von Prof Zulehner ernst nehmen wollen, heißt das für mich, dass wir auch mal einen Gottesdienst ohne Eucharistie hinnehmen müssn.

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