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Unio (Mystik)

Unio versteht sich als ein Projekt im Dienst der Mystik

Unio ist eine Veranstaltungsreihe: Ein Mix aus Lesung alter Texte und moderner meditativer Musik soll Menschen in die Stille führen. Unio ist auch der Name für ein loses Konsortium aus Musikern und Vorlesern aus Wiener Pfarren, die gemeinsam versuchen, diese Atmosphäre herzustellen.

In allen Religionen und zu allen Zeiten werden bestimmte Phänomene mit den gleichen Begriffen geschildert, z.B. der Urgrund, die Erleuchtung, die innere Schau und die daraus resultierende Notwendigkeit zu ethisch richtigem Verhalten.

Im Christentum steht als die Vollendung des mystischen Weges die Unio mystica, die Vereinigung mit Gott.

Aus den Texten der Mystiker spricht die Dynamik einer Liebesbeziehung, unsagbare Erlebnisse von überwältigender Schönheit gleichwie zeitweise Verlassenheit oder auch Einblicke in die tiefsten Geheimnisse des Lebens.

StufenUndLicht-unioZwiegespräch des Schweigens
In der mystischen Theologie ist allerdings die vorzügliche Übung:
mit Gott zu sprechen,
und Gott im Grunde des Herzens sprechen zu hören;
und weil dies Gespräch durch sehr geheime Sehnsucht und Einflößungen geschieht,
nennen wir es ein stilles Zwiegespräch.

Die Augen sprechen zu den Augen
und das Herz zum Herzen;
und niemand versteht was gesprochen wird,
außer die Liebenden,
die zu einander sprechen.

Franz von Sales (1567-1622) In: Theotimus oder von der Liebe Gottes (S. 540-542)

In der Mitte jener Nacht, in meiner Dunkelheit, hatte ich die fantastische Vision Christi, der die Himmel für mich öffnete.
Und er beugte sich zu mir und zeigte sich selbst mir mit dem Vater und dem Hl. Geist im dreifaltigen Licht.
Ein einziges Licht in dreien, und ein dreifaltiges Licht in einem, denn sie sind zusammen Licht.
Und er erleuchtete meine Seele, strahlender als die Sonne, und erhellte meinen Geist, der bis dahin in Dunkelheit gewesen war.
Nie zuvor hatte mein Geist so etwas gesehen. Ich war blind, sollst du wissen, und ich sah nichts. Deswegen war dieses Wunder so erstaunlich für mich,
als Christus die Augen meines Geistes geöffnet hat, mir das Augenlicht gab, und es war er, den ich sah.
Er ist Licht im Licht, erscheint denen, die ihn betrachten, und Betrachter sehen ihn in Licht –
Sehen, das heißt, im Licht des Geistes…
Und jetzt, wie von weither, sehe ich diese unsichtbare Schönheit, dieses unnahbare Licht, diese unerträgliche Herrlichkeit.
Hl. Symeon der Jüngere (+1022)

ZEIT FÜR GOTT HABEN

Feuer-unio

 

Seit 2012 recherchiere ich Texte von Mystikern. Mithilfe meiner Freunde ist das Programm inzwischen auf zwei Folgen angewachsen. Wir kommen auch in Ihre Pfarre, um vorzulesen – Kontakt am Ende dieser Seite.

In der Pfarre Gersthof gestalten wir auch immer wieder einen Abend, die nächsten Termine sind auf dieser Seite zu finden.

 

FelsenUndBaum-unio

 

„Himmlischer Vater, zwischen dir und mir schwingt unablässig ein unbegreifliches Atmen…“
Mechthild v. Magdeburg +1282

 

 

 

 

 

Ausdrücklich findet sich aber diese Verwendung des Wortes „mystisch“ im Schrifttum des Pseudo-Dionysius Areopagita. Er spricht von einer Erfahrung, wo eine „Sympathie“ zu einem Einswerden und zu einem mystischen Glauben führt, die nicht lehrbar sind. Seine „mystische Theologie“ steht in engem Zusammenhang mit dem Motiv der Wolke des Nichtwissens: Im Übersteigen aller Begriffe und Aussagen, nur im Nichtwissen kann man sich dem Gott nahen, der in unzugänglichem Lichte wohnt.
Es geht ein neues Licht auf, ein überhelles Licht.
Die mystische Erfahrung intensiviert diese Liebesbeziehung.
Die mystische Erfahrung ist „selten und kurz“.

Dr. Josef Weismayer, ehemals Professor für Mystik an der Wiener katholischen theologischen Fakultät

Ich würde noch hinzufügen: Eine mystische Erfahrung ist subjektiv – positiv – unbeschreiblich und nicht erzwingbar, obwohl überall möglich, doch durch Gebet förderbar.

Weitere Textproben

Hildegard von Bingen (1098 – 1179, Bingen, Deutschland)
Schon damals im 12. Jahrhundert konnte man wissen – und so erschien es
Hildegard in ihrer Schau -, dass der Mensch mit allen Kräften des Kosmos, z.B. mit
Kreis ausgedrückt – in Wechselwirkung steht. Und dass seine Wirkungsmöglichkeiten,
aber auch die Auswirkungen seines Tuns, weit über das
hinausreichen, was man ihm bei der Winzigkeit seiner körperlichen Statur zutrauen
möchte. Das erfährt Hildegard in ihrer Schau, und darauf weist sie hin: So sieht sie
ihn als eine übergroße Gestalt, die den Umfang seiner Erde, der braunen Kugel im
Zentrum des Bildes, um ganze Dimensionen überragt, seiner geistigen Kraft und
Wirkmacht entsprechend, die es vermag, die Elemente der Erde und des Kosmos
zu verunklären und aus ihren Regelkreisen zu werfen. In einer ihrer erschütternsten
Audiovisionen hört sie die Elemente wegen des Menschen vor Gott klagen:
„Wir können nicht mehr laufen und unsere natürliche Bahn vollenden, denn
die Menschen kehren uns wie in einer Mühle um, von unterst zu oberst. Wir, die
Elemente, die Lüfte, die Wasser, wir stinken schon wie die Pest und vergehen vor
Hunger nach einem gerechten Ausgleich.“ (MV, 133f.; vgl. LVM 105, 106)
– Und dies im 12. Jh., als man mit technischen Anlagen, die die Elemente
einbezogen, erst anfing.

 Johannes Tauler (Dominikaner, ca 1300 – 1361, Straßburg)
Vom unerschaffenen Grunde
Es geht in einen Abgrund, und in diesem ist Gottes Wohnung eigentlich viel mehr als im Himmel oder in allen Kreaturen; wer hierhinein gelangen könnte, der fände da wahrlich Gott und fände sich einfaltig in Gott, denn von diesem Grunde scheidet Gott sich nie; ihm wäre Gott gegenwärtig, und die Ewigkeit wird hier empfunden und gefühlt, und es gibt da weder Vorhergehen noch Nachfolgen. In diesen Grund vermag kein geschaffenes Licht zu reichen noch zu leuchten, sondern Gottes Wohnung und seine Stätte ist hier allein. Diesen Abgrund vermögen alle Kreaturen nicht zu erfüllen oder zu ergründen; sie können ihm nicht genügen noch ihn befriedigen, niemand vermag es als nur Gott mit all seiner Unermeßlichkeit. In diesen Abgrund gehört allein der göttliche Abgrund.
Dieser Grund – man muß nur fleißig darauf achtgeben – leuchtet in die Kräfte unter sich und neigt und reizt die obersten und die untersten hin zu ihrem Beginn und Ursprung, wenn nur der Mensch darauf achtgäbe und bei sich selber bliebe und der lieblichen Stimme gehorsam wäre, die in der Einöde, in diesem Grunde, ruft und alles immer besser dahinleitet. In dieser Einöde ist es so einsam, dass nie ein Gedanke dahinein kann. Nein, nein, all die vernunftreichen Gedanken, … von denen kann keiner hierhinein. Denn dies ist so innig, so weit, und es hat weder Raum noch Zeit. Es ist einfaltig und ohne Unterschied, und wer recht hineingerät, dem ist, als sei er hier schon ewig gewesen und als sei er eins mit ihm, obgleich es nicht mehr als ein Augenblick ist, aber solche Blicke empfinden und zeigen sich als eine Ewigkeit; dies erhellt und ist ein Zeugnis dafür, dass der Mensch in seiner Unerschaffenheit ewig in Gott war. Als er in ihm war, da war der Mensch Gott in Gott.
Was also bleibt dem gottförmigen Menschen? Ihm bleibt eine Seele voll Gott und ein Leib voll Leiden. Da schaut Gott so oft mit seinen Blicken in den Grund, daß alles Leiden dem Menschen zu klein wird. Und bei dem schauenden Eindringen Gottes leuchtet dem Menschen mit einem solchen Blick ein, was er tun soll, wofür er bitten oder was er vielleicht predigen soll.
Gib nicht acht auf das, was außer dir ist, und was dir nicht befohlen ist, das maße dir nicht an, und laß alle Dinge auf sich selbst beruhen: das Gute lass gut sein, was böse ist, berichtige nicht und frage nicht danach; kehre dich in den Grund und bleibe dabei, und achte auf die väterliche Stimme, die in dir ruft.

Meer-unio

 

Sei still und erkenne, ich bin Gott!

Sei still und erkenne, ich bin!

Sei still und erkenne!

Sei still!

Sei!

 

 

 


Kontakte zu diesem Projekt sind Barbara, stadioncenter@gmx.net und Christine, 0650 6101 483

Weitere Information ist bei der Gesellschaft der Freunde der Mystik zu finden: freunde-der-mystik.blogspot.co.at.
Mystik aus aller Welt ist zu finden unter mystikaktuell.wordpress.com

Alle Fotos: Barbara M.