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WWPartner: Madurantakam 25 Jahre

25 Jahre Partnerschaft mit Madurantakam

Christa und Wolfgang Möstl besuchten die Ortschaft Thandalam in der kath. Pfarre Madurantakamerstmals im Jahr 1968.Mithilfe von Spenden konnten folgende Projekte seither massiv unterstützt werden:
– Eine Ambulanz (St. Leopold Dispensary)
– Mehrzweck-Halle mit Schneider-Schule
– Behandlung von Star Augenerkrankungen
– Aufbau eines geordneten Schulwesens von der Volksschule bis zum Abschluss eine höheren Schule (unserer Matura entsprechend)
– Internat für bis zu 100 Schüler

Insgesamt wurden dafür rund 600.000 Euro an Spenden aufgebracht.

 

Berich von Christa und Wolfgang Möstl.
Oktober 2011
Fotos dazu auf Picasa >>>

Vor 25 Jahren im Jahr 1986 flogen wir zu einem Arbeitseinsatz mit einer Gruppe von 12 jungen Leuten nach Madurantakam in Südindien. In Thandalam, einem kleinen Dorf der Pfarre Madurantakam, bewohnt von „Unberührbaren“, fanden wir Menschen in zerfallenen Hütten, die täglich um ihre Existenz bangten. Wir bauten dort gemeinsam mit den Dorfbewohnern einen ca. 2 km langen Bewässerungskanal.

Als wir wieder nach Wien zurückgekehrt waren, wollten wir unbedingt weiter helfen und brachten dieses Projekt in unsere Pfarre, wo wir viel Unterstützung bekamen. Und es entwickelte sich eine Partnerschaft zur Pfarre Madurantakam, die nun schon 25 Jahre währt. Unser erster Projektpartner war Pfarrer Thomas, der auch zweimal in Gersthof zu Besuch war.

Durch verschiedene Portalaktionen wie Keks-und Lavendelverkäufe, Suppensonntag und Kinderpatenschaften, Sternsingeraktion sowie 25 Flohmärkte und großzügige Spender konnten wir das Geld für unsere Projekte aufbringen.

Als wir 1988 zum zweiten Mal nach Madurantakam kamen, konnten wir bereits das „St. Leopold Dispensary“, eine Ambulanz in Thandalam einweihen. Das war der Beginn einer guten Entwicklung.
Für die Sozialarbeit holte  1988  unser damaliger Pfarrer K.M. Thomas  3 Schwestern vom Orden  „Sisters of the Destitute“ aus Kerala,  die besonders gut in Sozialarbeit und Krankenpflege ausgebildet waren, nach Madurantakam und wir bauten an das Dispensary einen Konvent. Die Schwestern  kümmerten sich um eine basale Schulung der Frauen und Kinder in 23 Dörfern der Harijan-Kastenlosen, führten Gesundheitsprogramme durch, fuhren mit dem Jeep in die Dörfer zur medizinischen Versorgung  (mobile clinic ) und führten 7 Kindergartengruppen zur Frühförderung der Kinder .

Zwei Jahre später eröffneten wir  die St. Agnes Multipurpose Hall Dort waren Räumlichkeiten für unsere 12 Mitarbeiter (social workers),  9 Waisenkinder und auch zur Abhaltung von Veranstaltungen. Für junge Frauen und Mädchen gab es in der St. Agnes Tayloring School die Möglichkeit, Schneidern zu lernen.

In den  folgenden Jahren organisierten die Schwestern  „EYE- camps“, zu denen jeweils  bis zu 900 Menschen aus den umliegenden Dörfern selbst kamen oder gebracht wurden. Zahlreiche, an grauem Star Erkrankte wurden zuerst in der Kapelle von einem mobilen Ärzteteam und später in Madras in einer Augenklinik operiert und erhielten so das Sehvermögen wieder. Die Dankbarkeit dieser Menschen ist sehr groß.

Durch die jahrelange Sozialarbeit der Schwestern und die bessere Versorgung der Menschen in diesem Gebiet der Pfarre wuchs auch die Zahl der Kinder, welche regelmäßig die Schule besuchten, stetig an.  Zu Beginn unserer Tätigkeit 1986 besuchten ca. 45 Kinder die so genannte „Thandalam – Schule“, in der der Unterricht unter einem großen Baum abgehalten wurde, da das Schulgebäude eingestürzt war. Bei schlechtem Wetter entfiel der Unterricht, der ohnedies mehr als schlecht war (wie man sich vorstellen kann, wenn für fünf Schulstufen 2 unmotivierte Lehrer zu Verfügung stehen).

Es war eine schwierige Aufgabe  der Schwestern und des Pfarrers , die Dorfbewohner davon zu überzeugen, dass es sehr wichtig ist, ihre Kinder zur Schule zu schicken, statt sie daheim zum Ziegenhüten oder zur Betreuung der kleineren Geschwister einzusetzen. Der Wert einer guten Schulausbildung für ein besseres Leben war den Menschen in den Dörfern nicht bewusst.

So wurde 1994  ein neues Schulgebäude errichtet und mit unserer Thandalam – Schule ging es bergauf. Die Zahl der Schüler wuchs stetig, die Qualität der Lehrer verbesserte sich. Die Schule hatte jetzt 8 Klassen und wurde von einer Klosterschwester geleitet. Zusätzlich wurden die älteren Kinder und die Schulabgänger in EDV und Maschineschreiben unterrichtet.

Die positive Entwicklung ging weiter, und 2006 weihte der Bischof die St. Leopold High School bis zur 10.Schulstufe ein.  Rund um die Schule kauften wir insgesamt 55 000 m² Land  als Spiel, -Sport und Erholungsareal für die Schüler.

Um den Schülern auch den Schulabschluss mit Collegereife zu ermöglichen, wurde die St. Leopold Higher Secondary School von uns finanziert und auch so eingerichtet, wie es dem Standard einer 11. und 12. Schulstufe in Indien entspricht. Wir konnten diese 2008 feierlich eröffnen. Insgesamt bietet die Schule Platz für 1000 Kinder.

Als letztes Projekt haben wir 2011 auf Bitte des Bischofs Neethynathan unser St. AGNES Internat für 100 Kinder errichten lassen.
Derzeit besuchen ca 80 Kinder die Kindergärten und 92o Schüler unsere Schulen, das heißt, dass 1000 Kinder vom 2. bis zum 18. Lebensjahr schulisch und erzieherisch betreut werden).58 Schülerinnen und Schüler besuchen das Internat.
Unser Personal besteht derzeit aus 31 Lehrern, 3 Erziehern im Internat  und einem Koch

Unsere Freude war groß, als wir heuer nach 25 Jahren in das Dorf kamen und in die strahlenden Gesichter der Kinder schauen konnten. 1986 lebten dort kastenlose Menschen in Lehmhütten und die Kinder waren auf dem Feld und hüteten das Vieh. Auf dem Areal, wo wir 1986 mit dem Graben des Bewässerungskanals begonnen hatten, steht nun ein Schulzentrum für 1000 Kinder. Die Kinder tragen voller Stolz eigene Uniformen und haben die soziale Benachteiligung überwunden. Es hat mehr als eine Generation gedauert, doch nun haben die Menschen erkannt, dass sie nur durch Bildung aus ihrer Hoffnungslosigkeit ausbrechen können.
Wir haben dieses Projekt abgeschlossen und die Schule wird nun vom Bischof finanziert.

Wir danken allen, die mitgeholfen haben, dass dieses Projekt mit 582 086 Euro, Sie hören richtig, mit fast 600 000 Euro unterstützt werden konnte. So hat der Hl. Leopold auch in der Pfarre Madurantakam in Südindien seinen festen Platz.