{"id":13178,"date":"2023-01-02T11:47:11","date_gmt":"2023-01-02T10:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=13178"},"modified":"2023-01-02T11:47:12","modified_gmt":"2023-01-02T10:47:12","slug":"gedanken-zu-laudato-si-31-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2023\/01\/gedanken-zu-laudato-si-31-12\/","title":{"rendered":"Gedanken zu &#8222;Laudato si&#8220; (31.12.)"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Jahresschlussgottedienst am 31.12.2022 hat DI Martin Krill (Pfarre Dornbach und Fachausschuss Sch\u00f6pfungsverantwortung des Vikariats Wien Stadt) seine Gedanken zum gelesenen Evangelium, zur Sch\u00f6pfungsverantwortung und zur p\u00e4pstlichen Enzyklika &#8222;Laudato si&#8220; gesprochen. Hier sind sie schriftliche festgehalten.<\/p>\n<p>Das gelesene Evangelium war Mk 12,41-44<br>Jesus setzte sich nun in die N\u00e4he des Spendenkastens im Tempel und beobachtete die Leute, die ihre Gaben einwarfen. Viele Reiche spendeten hohe Betr\u00e4ge. Dann aber kam eine arme Witwe und warf zwei der kleinsten M\u00fcnzen in den Opferkasten. Da rief Jesus seine J\u00fcnger zu sich. &#8222;Ich versichere euch&#8220;, erkl\u00e4rte er ihnen, &#8222;diese arme Witwe hat mehr gespendet als alle anderen. Die Reichen haben nur etwas von ihrem \u00dcberfluss gegeben, aber diese arme Frau hat mit ihren letzten M\u00fcnzen sich selbst verschenkt.&#8220;<\/p>\n<p>Gedanken von Martin Krill:<\/p>\n<p>ich wurde ersucht, heute zum Jahresabschluss den Predigtdienst in Ihrer Gemeinde zum Thema \u201eLaudato si\u201c und Sch\u00f6pfungsverantwortung zu \u00fcbernehmen, was ich sehr gerne tue \u2013 danke f\u00fcr die Einladung dazu!<\/p>\n<p>Laudato si\u00b4, oft und sicher zu Recht auch als \u201eUmweltenzyklika\u201c bezeichnet, ist \u2013 Zitat Papst Franziskus: \u201eAngesichts der weltweiten Umweltsch\u00e4den an jeden Menschen gerichtet, der auf diesem Planeten wohnt.\u201c Wohl auch deshalb ist dieses Schreiben unseres Papstes sehr leicht zu lesen und ich kann es Ihnen wirklich w\u00e4rmstens ans Herz legen, sollten Sie diese Enzyklika nicht ohnehin schon gelesen haben.<\/p>\n<p>In meinen heutigen Gedanken m\u00f6chte ich mich nur auf einen Aspekt beschr\u00e4nken, die Frage nach der pers\u00f6nlichen Verantwortung eines jeden Christen in Bezug auf den Schutz unserer Sch\u00f6pfung, aber auch generell in dieser Welt.<br>Man kann sich ja zu Recht die Frage stellen, was pers\u00f6nliches Handeln bringen soll, wenn man sich die Entwicklung der Welt, im Speziellen der Umwelt ansieht.<br>Da soll zum Beispiel mehr Wald gepflanzt werden, um CO2 aus der Atmosph\u00e4re zu binden, und dann werden unsere Regenw\u00e4lder bewusst niedergebrannt oder W\u00e4lder werden aufgrund von immer intensiveren D\u00fcrren vermehrt ein Raub der Flammen.<br>Da sollen die CO2-Emissionen gesenkt werden, aber sie steigen trotz aller schrillenden Alarmsirenen unseres Planeten fast \u00fcberall auf der Welt weiter.<br>In einzelnen Regionen oder Bereichen werden Fortschritte bei Klimaschutz erzielt, in anderen Teilen der Welt schert man sich anscheinend \u00fcberhaupt nicht darum.<br>Ja, da kann man sich schon zu Recht die Frage stellen, warum wir uns als einzelne Personen um die Bewahrung der Sch\u00f6pfung und um den Klimaschutz bem\u00fchen sollen, oder ob unser pers\u00f6nliches Handeln nicht ggf. sinnlos ist.<\/p>\n<p>Bei diesen berechtigten Fragen und Zweifeln gibt mir aber mein christliches Glaubensverst\u00e4ndnis doch eine klare Antwort. Und diese fu\u00dft auf dem Evangelium, das wir zuvor geh\u00f6rt haben.<br>Jesus setzte sich nun in die N\u00e4he des Spendenkastens im Tempel und beobachtete die Leute, die ihre Gaben einwarfen. Viele Reiche spendeten hohe Betr\u00e4ge. Dann aber kam eine arme Witwe und warf zwei der <strong>kleinsten<\/strong> M\u00fcnzen in den Opferkasten. Da rief Jesus seine J\u00fcnger zu sich. &#8222;<strong>Ich versichere euch<\/strong>&#8222;, erkl\u00e4rte er ihnen, &#8222;diese arme Witwe hat mehr gespendet als alle anderen.\u201c<br>Wenn wir diese Situation betrachten, k\u00f6nnte man wohl auch als Au\u00dfenstehender sagen: Was bringt den dieser minimale Beitrag der alten Frau. Zwei der <strong>kleinsten<\/strong> M\u00fcnzen hat sie in den Opferkasten geworfen. Das ist doch l\u00e4cherlich. Was soll das jemandem helfen, ist doch viel zu wenig, um irgendetwas Sinnvolles damit tun zu k\u00f6nnen. Ein Tropfen, auf dem hei\u00dfen Stein, k\u00f6nnte man sagen.<br>Aber Jesus <strong>versichert<\/strong> uns \u2013 gibt uns also Sicherheit, dass die Perspektive Gottes eine andere ist. Er erkl\u00e4rte ihnen: &#8222;Ich versichere euch, diese arme Witwe hat mehr gespendet als alle anderen.\u201c<br>F\u00fcr Gott ist diese Tat des Guten, die augenscheinlich unwesentlich und minimal ist, wichtiger als all die hohen Betr\u00e4ge der Reichen.<br>Das muss uns ChristInnen doch zu denken geben, und uns <strong>aus unserem Glauben heraus<\/strong> ermutigen zu noch so unwichtig erscheinenden Taten des Guten \u2013 und uns Hoffnung geben, dass diese Taten nicht sinnlos sind.<\/p>\n<p>Weil wie k\u00f6nnten wir dies behaupten, wenn unser Herr Jesus Christus, der uns Gottes Sicht in unserer menschlichen Welt dargelegt hat, uns genau das Gegenteil versichert? Wir w\u00fcrden uns mit so einer Ansicht gegen das Prinzip unseres Gottes stellen, ihm widersprechen.<br>Wenn Jesus also diese minimale Opfergabe eines armseligen Menschen so hervorhebt und seinen J\u00fcngern als gl\u00e4nzendes Beispiel eines gottgef\u00e4lligen Handelns darstellt, ja bitte, dann nehmen wir ChristInnen dieses Beispiel doch in voller \u00dcberzeugung an, dass auch unsere kleinen Taten des Guten in Gottes Augen wertvoll sind.<br>In diese Richtung gehen auch Zitate von Papst Franziskus in Laudato si\u00b4:<br>Kapitel 19: \u201eDas Ziel ist \u2026 zu erkennen, welches der <strong>Beitrag ist, den jeder Einzelne leisten kann<\/strong>.\u201c<br>Kapitel 180: \u201eEs gibt so vieles, was man tun kann.\u201c<br>Kapitel 211: \u201eEs ist sehr nobel, es sich zur Pflicht zu machen, <strong>mit kleinen allt\u00e4glichen Handlungen<\/strong> f\u00fcr die Sch\u00f6pfung zu sorgen, \u2026\u201c<br>Kapitel 217: \u201eDie Berufung, Besch\u00fctzer des Werkes Gottes zu sein, <strong>praktisch umzusetzen<\/strong> geh\u00f6rt wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist nicht etwas Fakultatives, noch ein sekund\u00e4rer Aspekt der christlichen Erfahrung.\u201c<\/p>\n<p>Selbst wenn wir es aber nicht bei der Erf\u00fcllung des Willens Gottes belassen wollen, reicht auch ein Blick in die Geschichte, um uns zu zeigen, wie aus scheinbar sinnlosen, unwesentlichen Taten von einzelnen Menschen dann doch ganz Gro\u00dfes entstanden ist:<br>Denken wir an Mahatma Gandhi: Ein unbedeutender indischer Rechtsanwalt erreichte mit seinen Ideen von gewaltfreien Aktionen und zivilem Ungehorsam nach ca. 30 Jahren das Ende der britischen Kolonialherrschaft \u00fcber Indien.<br>Ein bekanntes Zitat von ihm, das er selbst in seinem Leben umgesetzt hat: \u201eSei <strong>du selbst<\/strong> die Ver\u00e4nderung, die du dir w\u00fcnschst f\u00fcr diese Welt.\u201c<\/p>\n<p>Oder wenn ich jetzt auf Entwicklungen im Umweltbereich schaue:<br>Da f\u00e4hrt der Privatmann David McTaggart 1972 mit einem kleinen Segelboot in die Gew\u00e4sser um das Mururoa-Atoll, wo das \u00fcberm\u00e4chtige Frankreich Atombombentests durchf\u00fchren m\u00f6chte und mit seinen gro\u00dfen Kriegsschiffen patrouillierte. Schlussendlich musste Frankreich dieses Tests aufgrund der internationalen Proteste beenden und mit dieser Aktion ist Greenpeace zur heute gr\u00f6\u00dften Umweltschutzorganisation der Welt geworden, die mit Millionen Unterst\u00fctzerInnen einen ganz wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt leistet.<\/p>\n<p>Oder blicken wir auf Greta Thunberg. Ein unscheinbares, damals 15-j\u00e4hriges M\u00e4dchen, setzt sich mit einem Schild \u201eSchulstreik f\u00fcr das Klima\u201c vor das schwedische Parlament. Wir alle h\u00e4tten das doch als v\u00f6llig wirkungslos eingesch\u00e4tzt, wenn wir damals an ihr vor\u00fcber gegangen w\u00e4ren. Wir h\u00e4tten sie wohl bel\u00e4chelt oder sogar bemitleidet. Daraus wurde aber innerhalb k\u00fcrzester Zeit eine weltweite Klimaschutzbewegung, die \u201eFridays for Future\u201c, die folglich Millionen von Menschen friedlich f\u00fcr den Klimaschutz auf die Stra\u00dfe gebracht hat, und eine Aufmerksamkeit f\u00fcr den Klimaschutz geschafft hat, den die Wissenschaft, politische Parteien und sonstige Organisationen in Jahrzehnten nicht geschafft haben.<br>Man k\u00f6nnte die Liste wohl noch lange fortsetzen. Also zeigt sich doch auch in der Realit\u00e4t, dass aus kleinem, unscheinbarem Einsatz f\u00fcr das Gute Gro\u00dfes entstehen kann.<\/p>\n<p>Passend dazu auch ein Zitat der US-amerikanische Anthropologin Margaret Mead: \u201eZweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt ver\u00e4ndern kann. Tats\u00e4chlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals ver\u00e4ndert wurde.\u201c<\/p>\n<p>Nun lassen Sie mich aber wieder den Bogen zu unserem christlichen Glauben spannen. Ich bin in der Kalvarienbergkirche gro\u00df geworden unter dem damaligen Pfarrer Johann Koller. Er hat mich mit seinen Predigten in meinem Glauben stark gepr\u00e4gt. Folgende Worte aus einer seiner Predigten sind mir heute noch in Erinnerung. Er sagte sinngem\u00e4\u00df, dass es unsere Aufgabe und Verantwortung ist, <strong>unseren pers\u00f6nlichen Beitrag<\/strong> als Christ in dieser Welt zu leisten. Jeder mit dem Einsatz und den Talenten, die er mitbringt und in seiner konkreten Situation leisten kann.<br>Vielleicht hat auch Papst Franziskus Johann Koller predigen geh\u00f6rt. Er sagt n\u00e4mlich in Laudato si\u00b4 in \u00e4hnlicher Weise in Kapitel 14: \u201eAlle k\u00f6nnen wir als Werkzeuge Gottes an der Bewahrung der Sch\u00f6pfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen F\u00e4higkeiten aus.\u201c<br>Und Pfarrer Koller f\u00fchrte dann weiter aus: Diesen unseren Einsatz d\u00fcrfen wir dann vor Gott legen mit den Worten: Das ist mein Beitrag, das kann ich tun, und den Rest darf ich getrost dir \u00fcberlassen und dir anvertrauen. Mache du daraus, was deinem Willen entspricht. Ich darf mein kleines, ggf. unzul\u00e4ngliches Werk dir und deiner G\u00fcte anvertrauen. Vielleicht wird in deiner Vorsehung etwas Gro\u00dfes daraus, vielleicht nur etwas Kleines. Ich darf dir meinen Einsatz jedenfalls vertrauensvoll \u00fcbergeben.<br>Oder wie Papst Franziskus es in Laudato si\u00b4 Kapitel 80 formuliert: \u201e\u2026 Gott, der <strong>gemeinsam mit uns<\/strong> handeln und auf unsere <strong>Mitarbeit<\/strong> z\u00e4hlen m\u00f6chte\u2026\u201c<br>Oder in Laudato si\u00b4 Kapitel 212: \u201eMan soll nicht meinen, dass diese Bem\u00fchungen die Welt nicht ver\u00e4ndern. Diese Handlungen verbreiten Gutes in der Gesellschaft, das <strong>\u00fcber das Feststellbare hinaus<\/strong> immer Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, denn sie verursachen im Scho\u00df dieser Erde etwas Gutes, das stets dazu neigt, sich auszubreiten, <strong>manchmal unsichtbar.<\/strong>\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht helfen auch Ihnen diese Gedanken, Lethargie, Gleichg\u00fcltigkeit, Hoffnungslosigkeit, negative Einstellungen und Worte, die uns und andere hinunterziehen, zu \u00fcberwinden.<br>F\u00fcr Gott sind unsere guten Taten jedenfalls wertvoll \u2013 denken wir immer wieder an das Evangelium der armen Witwe.<br>Gott kann auch aus Kleinem ganz Gro\u00dfes entstehen lassen \u2013 denn \u201ef\u00fcr Gott ist nichts unm\u00f6glich\u201c.<br>Sch\u00f6pfen wir daher Hoffnung aus unserem Glauben, dass unser Einsatz f\u00fcr die Sch\u00f6pfung nicht sinnlos ist, und belassen wir es nicht beim Hoffen allein, sondern setzen wir auf Basis dieser Hoffnung dann auch konkrete Schritte. Jeder\/jede. Jetzt. Um eine Klimakatastrophe in den kommenden Jahren noch abzuwenden, ist <strong>Handeln notwendig<\/strong>. Wir haben keine Zeit und keinen Grund mehr, nicht umgehend, konsequent und ambitioniert zur Bewahrung unserer Sch\u00f6pfung zu handeln. Unser pers\u00f6nlicher Beitrag daf\u00fcr ist nicht sinnlos, nicht f\u00fcr die Welt und ganz sicher nicht in den Augen Gottes.<\/p>\n<p><em>DI Martin Krill <\/em><br><em>Pfarrgemeinderat und Umweltbeauftragter der Pfarre Dornbach Mitglied des Vikariats-Fachausschusses Sch\u00f6pfungsverantwortung Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter des Planungsb\u00fcros PROFES<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Jahresschlussgottedienst am 31.12.2022 hat DI Martin Krill (Pfarre Dornbach und Fachausschuss Sch\u00f6pfungsverantwortung des Vikariats Wien Stadt) seine Gedanken zum gelesenen Evangelium, zur Sch\u00f6pfungsverantwortung und zur p\u00e4pstlichen Enzyklika &#8222;Laudato si&#8220; gesprochen. Hier sind sie schriftliche festgehalten. 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