{"id":1770,"date":"2013-07-18T22:18:06","date_gmt":"2013-07-18T20:18:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=1770"},"modified":"2013-08-25T11:45:33","modified_gmt":"2013-08-25T09:45:33","slug":"gedanken-zu-den-sonntags-bibel-stellen-14-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/07\/gedanken-zu-den-sonntags-bibel-stellen-14-7\/","title":{"rendered":"Gedanken zu den Sonntags-Bibelstellen &#8211; 14.7."},"content":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen.<\/p>\n<p>Hier die Gedanken von Stefan Donecker Lk 10, 25-37: Der barmherzige Samariter (14. Juli)<\/p>\n<p>Liebe Gottesdienstgemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus,<\/p>\n<p>Ich freue mich sehr \u00fcber die Gelegenheit, einige Gedanken zum heutigen Evangelium mit Ihnen teilen zu d\u00fcrfen! Vor allem, weil es so ein sch\u00f6ner Text ist \u2013 der barmherzige Samariter, dieses zeitlose Beispiel gelebter N\u00e4chstenliebe. Ein Gleichnis, das die meisten von uns wahrscheinlich schon seit dem Religionsunterricht in der Volksschule kennen, ein Gleichnis, das wir immer wieder geh\u00f6rt und gelesen haben und \u00fcber das wir nachgedacht haben. Aber gerade bei so einem \u201eKlassiker\u201c zahlt es sich, wie ich glaube, aus, ihn aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, zwischen den Zeilen zu lesen und zu sehen, ob uns ein wohl vertrauter Text etwas Neues sagen kann.<\/p>\n<p>\u201eEin Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab\u201c. Das ist, eigentlich, ein ungew\u00f6hnlicher Beginn. Normalerweise hat Jesus in seinen Gleichnissen keine konkreten Ortsangaben gemacht. Wir wissen nicht, in welcher Stadt der arme Lazarus und der verschwenderische reiche Mann gelebt haben, und wir kennen auch nicht die Adresse des Verlorenen Sohnes. Aber diesmal beginnt Jesus sein Gleichnis mit einer ganz bestimmten Route: von Jerusalem nach Jericho. Da dr\u00e4ngt sich schon die Frage auf, wieso Jesus, ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, ausgerechnet bei diesem Gleichnis eine konkrete Route nennt. Wir liegen wohl nicht falsch wenn wir davon ausgehen, dass sich der Herr auch dabei etwas gedacht haben wird.<\/p>\n<p>Jerusalem und Jericho&#8230; zwei St\u00e4dte, 24km voneinander entfernt, ein gut zu bew\u00e4ltigender Tagesmarsch. Jerusalem, das ist einfach zu deuten. Der Gottesberg Zion, der Tempel mit dem Allerheiligsten, f\u00fcr Jesus und seine Zeitgenossen das spirituelle Zentrum ihrer Welt und ihres Lebens, ein Ort an dem man Gott nahe kommt. Wenn man in der Bibel hingegen nach Jericho sucht ergibt sich ein ganz anderes Bild: Josua, der Nachfolger des Mose hatte, so berichtet das Alte Testament, einen Fluch \u00fcber die Stadt ausgesprochen (Jos 6, 26). Und als ein Mann namens Hi\u00ebl\u00a0 die Stadt sp\u00e4ter wiederaufbauen lie\u00df, bewahrheitete sich der Fluch und kostete zwei seiner S\u00f6hne das Leben (1 K\u00f6n 16, 34). Vom gesegneten und geheiligten Jerusalem ins verfluchte Jericho&#8230;<\/p>\n<p>Mit dieser Route, diesen beiden St\u00e4dten, scheint Jesus seinen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern vor Augen f\u00fchren zu wollen, dass der Mann im Gleichnis einen gef\u00e4hrlichen Weg beschreitet. Weg vom Angesicht Gottes, weg von Jerusalem, hin zu einem verfluchten Ort, einem Ort der Gottesferne. Und ihm ergeht es wie\u00a0 vielen Menschen, die sich von Gott entfernen, von Gott nichts mehr wissen wollen: \u00dcberfallen, \u00fcberfordert, niedergestreckt bleibt er liegen.<\/p>\n<p>Nun pr\u00e4sentiert uns Jesus zwei religi\u00f6se Autorit\u00e4ten, einen Priester und einen Leviten, die vor\u00fcbergehen ohne zu helfen. K\u00f6nnen sie nicht? Wollen sie nicht? Haben sie Angst? Wenn wir in unseres eigenes gesellschaftliches Umfeld blicken, wird uns die Szene vielleicht bekannt vorkommen: Ein Mensch hat sich von Gott entfremdet, ist von Sorgen, S\u00fcnden, \u00c4ngsten niedergedr\u00fcckt und kommt nicht mehr auf die Beine. Und die organisierte Religion, die Kirche, vermag ihm nicht mehr aufzuhelfen. Vielleicht versteht der Mensch die Botschaft der Kirche nicht. Vielleicht\u00a0 ist er so in unserer s\u00e4kular-materialistischen Welt gefangen, dass er die Kirche kaum mehr wahrnimmt. Vielleicht stehen ihm die Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten, die die Kirche als Gemeinschaft fehlbarer Menschen zweifellos hat, \u00fcbergro\u00df vor Augen. Vielleicht findet die Kirche nicht mehr den richtigen Weg ins Herz dieses einen Menschen. Er liegt am Boden, und Priester und Levit m\u00fcssen weitergehen, weil sie nicht helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber Kirche ist nicht nur Organisation, Kirche ist jeder und jede einzelne von uns. Einem solchen Menschen beizustehen, ihn oder sie wiederaufzurichten, kann eine gro\u00dfe Aufgabe sein. Ein barmherziger Samariter oder eine Samariterin, eine vom Heiligen Geist erf\u00fcllte Christin oder Christ, kann in so einer Situation Wunder vollbringen. Kann auf den gestrauchelten, von Gott entfremdeten Menschen zugehen, sie k\u00f6nnen gemeinsam individuelle Wege finden , die auf die Sorgen und N\u00f6te dieses einen Menschen ma\u00dfgeschneidert sind. Ungew\u00f6hnliche, unkonventionelle, ganz pers\u00f6nliche Wege, die einen Menschen, der mit Gott und mit der Kirche gar nichts mehr zu tun haben will, sanft und behutsam wiederaufrichten und in die wunderbare Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen dem Beispiel des barmherzigen Samariters auf viele verschiedene Weisen folgen. Die materielle Not unserer Mitmenschen zu lindern, kranken, alten und schwachen Menschen beizustehen, all das sind gro\u00dfartige Wege, die Nachfolge Jesu zu leben. Aber ich glaube dass gerade auch die Menschen, die von Jerusalem nach Jericho gehen, die sich von Gott entfernen und nicht mehr weiter wissen, Menschen sind, die ganz besonders der Hilfe eines Samariters oder einer Samariterin bed\u00fcrfen. Auch wenn man es ihnen nicht ansieht, weil sie vielleicht ohnehin jung, gesund und wohlhabend sind \u2013 aber innerlich leer und seelisch ausgebrannt. Einem solchen Menschen beizustehen ist eine gro\u00dfe und verdienstvolle Aufgabe f\u00fcr jeden von uns.<\/p>\n<p>Und wir k\u00f6nnen uns sicher sein, dass wir bei dieser Aufgabe nicht allein sind. Wenn wir im Neuen Testament nach weiteren Stellen suchen, an denen das verfluchte Jericho erw\u00e4hnt wird, erweist sich das Evangelium \u2013 wie so oft \u2013 als wahrhaft frohe Botschaft. Zweimal kommt Jesus nach Jericho, und beide Male vollbringt er dort Gro\u00dfes und Wunderbares. In Jericho \u00f6ffnet er dem blinden Bartim\u00e4us die Augen (Mk 10, 46\u201352) , und in Jericho \u00f6ffnet er dem habgierigen Zach\u00e4us das Herz (Lk 19, 1\u201310). Wenn wir uns also nach Jericho begeben, um Menschen in Gottesferne als Samariterinnen und Samariter beizustehen, k\u00f6nnen wir uns sicher sein, dass Jesus bei uns ist und uns hilft, Augen und Herzen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Stefan Donecker<br \/>\n14. Juli 2013<\/p>\n<p>Eine \u00dcbersicht der Nachlesen ist <a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/08\/gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-nachlese\/\">hier zu finden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen. Hier die Gedanken von Stefan Donecker Lk 10, 25-37: Der barmherzige Samariter (14. 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