{"id":1806,"date":"2013-08-25T11:38:08","date_gmt":"2013-08-25T09:38:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=1806"},"modified":"2013-08-25T20:41:24","modified_gmt":"2013-08-25T18:41:24","slug":"gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-25-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/08\/gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-25-8\/","title":{"rendered":"Gedanken zu den Sonntags-Bibelstellen \u2013 25.8."},"content":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen.<\/p>\n<p>Hier die Gedanken von Michael Steidl zu <a href=\"http:\/\/www.erzabtei-beuron.de\/schott\/register\/jahreskreis\/schott_anz\/index.html?file=jk21%2FSonntagC.htm\" target=\"_blank\">Hebr 12, 5-7.11-13 und Lk 13, 22-30<\/a> vom 24.\/25.8.:<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder im Herrn,<br \/>\ndanke, dass ich heute meine Gedanken zu den Lesungen mit Ihnen, mit euch teilen darf. Denn vielleicht ist es Ihnen jetzt beim H\u00f6ren so wie mir beim Lesen der Hebr\u00e4erbrief- und Evangeliumsstelle gegangen: sie klingen etwas kratzb\u00fcrstig, nicht so ganz, wie man sich liebevoller Umgang miteinander vorstellt. Kurz gesagt, diese Bibelstellen schlagen emotionale Wellen. Und da ist es, denke ich, gut, miteinander dar\u00fcber zu reden.<\/p>\n<p>Schauen wir auf diese Stelle im Lukasevangelium. Da ist dieser eine, der die Frage nach der Anzahl der erwarteten Geretteten stellt. Man hat da so einen Verdacht wenn man das h\u00f6rt und kennt es aus anderen Bibelstellen: da will einer aus Jesus etwa herauskitzeln wof\u00fcr man ihn dann vielleicht verurteilen kann. Aber Jesus reagiert anders als erwartet, aber das kennen wir schon aus anderen Bibelstellen. Er gibt keine Antwort, wie man sie sich auch bei einer Pressekonferenz oder einem Interview erwartet: \u201enach neuesten Untersuchungen werden es wohl 17,8 % der Bev\u00f6lkerung sein, die gerettet werden\u201c.<\/p>\n<p>Nein, er greift wieder zu Bildern, zu Gleichnissen in denen es um menschliches Verhalten geht und die verborgene Botschaft dessen ist: es ist nicht vorbestimmt, wie hoch dieser Anteil ist, es kommt auf euch an, es kommt darauf an, was ihr aus eurem Leben macht. Darum spricht er in seiner Antwort nicht nur den Fragesteller, sondern alle an.<\/p>\n<p>Aber Jesus sagt Dinge, die nicht so ganz nett zu h\u00f6ren sind. Er verwendet wieder das Bild vom kleinen Notdurchgang neben dem gro\u00dfen Stadttor \u2013 Sie kennen ja auch die Bibelstelle vom Kamel und Nadel\u00f6hr. Jesus bringt hier den Herrn des Hauses, Gott \u2013 seinen Vater, ins Spiel als einen eher abweisend wirkenden Mann. Da kommen Leute und wollen hinein, er aber antwortet \u201ewoher seid ihr\u201c. Und Jesus legt den Einlass suchenden die Worte \u201ewir haben doch mit dir gegessen und getrunken\u201c als Erwiderung in den Mund \u2013 und irgendwie k\u00f6nnen wir uns das sehr gut vorstellen, dass man so reagiert, wenn man jemanden trifft: mein weist auf das letzte Zusammensein hin.<\/p>\n<p>Und dann wird Jesus auf das Ziel hinweisen, von dem wohl alle tr\u00e4umen: im Reich Gottes zu Tisch zu sitzen, wieder gemeinsam zu essen und zu trinken.<\/p>\n<p>In diesem Wortwechsel gibt es aber eine kleine wichtige Facette. Bibelkenner weisen darauf hin, dass das \u201eWir haben doch <b>mit<\/b> dir gegessen und getrunken\u201c wortw\u00f6rtlicher \u00fcbersetzt eher \u201eWir haben <b>von<\/b> dir gegessen und getrunken\u201c lauten sollte, was besagt: man ist zu diesem Herrn gegangen, hat sich auftischen und es sich gut gehen lassen.<\/p>\n<p>Das ist offenbar der Angelpunkt der Kritik an derartigen Lebensformen, die Jesus hier \u2013 um im Bild zu bleiben \u2013 auf den Tisch leget.<\/p>\n<p>Denn Jesus zeigt schon auch klar auf, wie man leben sollte. Er sagt \u201eBem\u00fcht euch mit allen Kr\u00e4ften, durch die enge T\u00fcr zu gelangen\u201c. In anderen, wortw\u00f6rtlicheren \u00dcbersetzungen hei\u00dft es hier noch deutlicher \u201e<strong>k\u00e4mpft<\/strong> darum, durch das enge Tor hineinzukommen\u201c.<\/p>\n<p>Wir allen wissen, dass der Begriff \u201eKampf\u201c rasch etwas martialisch verstanden wird, als eine Auseinandersetzung mit F\u00e4usten, mit Waffen, mit roher Gewalt. Ich m\u00f6chte aber darauf hinweisen, dass es eine ganze andere Verwendung dieses Begriffes gibt. \u201eOb die junge Frau die neue Anstellung mit vielen interessanten Aufgaben aber doch niedrigerem Gehalt annehmen soll, darum k\u00e4mpfte sie mehrere Tage mit sich.\u201c So eine Stelle k\u00f6nnte aus einem Roman stammen, sie zeigt diese innere Dimension eines Kampfes auf. Es geht hier nicht darum, andere \u00fcberw\u00e4ltigen zu m\u00fcssen, sondern dass man seine eigene Unsicherheit, sein sich-im-Weg-stehen \u00fcberw\u00e4ltigen muss. Diese innere Dimension sagt aber auch, dass man sich kritisch und ernsthaft mit seinem Leben auseinandersetzen soll.<\/p>\n<p>Und hier genau hakt die Zusage Jesu ein: er forderte die Menschen damals, aber auch genauso uns heute auf, sich einem solchen Kampf, einer inneren Auseinandersetzung zu stellen und nicht uns bequem an die Tische der anderen zu setzen und nur einfach mitzuessen und mitzutrinken.<\/p>\n<p>Aus vielen anderen Evangeliumsstellen m\u00fcssen wir aber auch herauslesen, dass dies ein den ganzen Menschen erfassender Kampf ist \u2013 das sehen wir an Jesus selbst. Denken wir an sein Gebet im Garten Getsemani \u201eMein Vater, wenn es m\u00f6glich ist, gehe dieser Kelch an mir vor\u00fcber\u201c oder an seine letzten Worte am Kreuz \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c. Hier hat sich ein Mensch \u2013 auch wenn er von Gott zu uns gesandt war &#8211; bis zu seiner letzten Stunde diesen Kampf gestellt.<\/p>\n<p>Wie kann heute dieses K\u00e4mpfen ausgef\u00fchrt werden? Wir k\u00f6nnen uns an Jesus, der 40 Tage in die W\u00fcste gegangen ist, orientieren. Es k\u00f6nnen einig Tage der Stille, der Mediation, vielleicht in einem Kloster, sein. Es kann aber auch sein, dass man bewusst t\u00e4glich eine Zeit aus dem Alltag heraus tritt und in sich geht.<\/p>\n<p>Und da ist noch etwas, was ich von dieser Evangeliumsstelle in meinen Alltag mitnehme. Und da schlie\u00dfe ich mich der Predigerin vom letzten Wochenende an: das was Jesus wirklich war, ist viel vielschichtiger und rauer als wir es wahrhaben wollen. In einer nach Idealzust\u00e4nden hechelnden Welt haben wir oft das Bild von Jesus als der liebe-Mann-von-nebenan aufpoliert, der uns nichts als Angenehmes tut. Allerdings ist da auch schon der Verfasser der heutigen Lesung aus dem Hebr\u00e4erbrief darauf gekommen, dass das Leben so nicht funktioniert. Also er ruft gleich zur Z\u00fcchtigung mit der Rute auf. Wir sollten die Wortwahl nicht \u00fcberbewerten \u2013 damals war dies wahrscheinlich \u00fcblich aber heute haben wir uns von der \u201eg\u2019sund\u2018n Watschen\u201c verabschiedet. Der Kern der Botschaft ist jedoch: man muss aus seinem Wohlbefinden herausgerissen werden, um neue Dimensionen zu entdecken. In der heutigen Zeit hei\u00dft dieses Herausrei\u00dfen vielleicht den kleinen M\u00e4dchen die Lillifee und den Buben die Ritterfiguren wegzusperren, oder jungen Leuten f\u00fcr ein paar Tage das Internet abzudrehen und den \u00e4lteren Erwachsenen ihr geliebtes Bierchen oder das gute Glaserl Wein zu entziehen. Wir brauchen solche Anst\u00f6\u00dfe um aufmerksam zu werden. Das mag durchaus auch ein Grund daf\u00fcr sein, dass Jesus immer wieder seine Botschaft auch etwas kratzb\u00fcrstig vermittelt. Und ich finde, das ist gut so.<\/p>\n<p><em>Michael Steidl<\/em><\/p>\n<p>Eine \u00dcbersicht der Nachlesen ist <a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/08\/gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-nachlese\/\">hier zu finden<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen. 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