{"id":1935,"date":"2013-10-04T06:57:36","date_gmt":"2013-10-04T04:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=1935"},"modified":"2013-10-04T06:59:41","modified_gmt":"2013-10-04T04:59:41","slug":"gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-28-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/10\/gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-28-7\/","title":{"rendered":"Gedanken zu den Sonntags-Bibelstellen &#8211; 28.7."},"content":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen.<\/p>\n<p>Hier die Gedanken von Peter Soustal zu <a href=\"http:\/\/www.erzabtei-beuron.de\/schott\/register\/jahreskreis\/schott_anz\/index.html?file=jk17%2FSonntagC.htm\" target=\"_blank\">Lk 11, 1-3<\/a> vom 27.\/28.7.2013:<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht das Gebet des Herren. Dem Vaterunser folgt das Beispiel von dem letztlich mit Erfolg zur Unzeit um Brot f\u00fcr seinen Gast bittenden Nachbar. Dabei geht es wie in den folgenden S\u00e4tzen letztlich um die Gewissheit, dass Gott die Bittenden erh\u00f6rt. Nun ein paar Gedanken zu diesem Gebet und dazu wie es aus der Perspektive unserer \u00e4lteren Glaubensbr\u00fcder und Schwestern gesehen werden kann. Ich darf etwas weiter ausholen.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen, am 20. Juni j\u00e4hrte sich zum 100sten Mal der Geburtstag von Schalom Ben-Chorin, der in M\u00fcnchen als Fritz Rosenthal zur Welt gekommen und am 7. Mai 1999 in Jerusalem verstorben ist. Wenn ich nun auf Schalom Ben-Chorin zu sprechen komme, ist das nicht deshalb weil diese Pers\u00f6nlichkeit in dieser Woche Thema der Gedanken zum Tag in \u00d61 war; davon habe ich erst sp\u00e4ter erfahren.<\/p>\n<p>Ben-Chorin stammte aus einer gebildeten assimilierten j\u00fcdischen Kaufmannsfamilie, studierte Germanistik und vergleichende Religionswissenschaften an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Nach mehreren Verhaftungen durch die Gestapo emigrierte er 1935 nach Pal\u00e4stina. Von da war er Journalist, bis er 1970 bis 1987 als Dozent und Gastprofessor in Jerusalem, T\u00fcbingen und M\u00fcnchen wirkte. 1961 war Ben-Chorin Mitgr\u00fcnder der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag.<\/p>\n<p>Als Dichter und Denker war Ben-Chorin Vork\u00e4mpfer f\u00fcr ein besseres Verh\u00e4ltnis zwischen Juden und Christen, zwischen Israelis und Deutschen, ein Br\u00fcckenbauer zwischen den beiden Religionen. Durch seine profunde Kenntnis des j\u00fcdischen religi\u00f6sen Schrifttums und der j\u00fcdischen Gepflogenheiten hatte Schalom Ben-Chorin auch einen besonderen Zugang zum Christentum.<\/p>\n<p>Ich beziehe mich heute auf sein 1977 erschienenes Buch mit dem Titel \u201eBruder Jesus. Der Nazarener in j\u00fcdischer Sicht\u201c, das mich schon vor Jahrzehnten tief beeindruckt hat. Darin findet sich das Kapitel <b>\u201eLehre uns beten\u201c <\/b>zu<b> <\/b>Lukas 11, 1\u20134, das wir soeben geh\u00f6rt haben. Ich bin \u00fcberzeugt, dass es dem Verst\u00e4ndnis der christlichen Botschaft f\u00f6rderlich ist, wenn wir versuchen, Christi Worte und Taten auch aus ihrem j\u00fcdischen Umfeld zu begreifen.<\/p>\n<p>Die Bitte eines J\u00fcngers: \u201eHerr lehre uns beten, wie auch Johannes seine J\u00fcnger lehrte\u201c ist nicht so zu verstehen, dass die J\u00fcnger Jesu vorher keine Gebete kannten, vielmehr war es \u00fcblich, dass die einzelnen Meister ihren J\u00fcngern zus\u00e4tzlich zum \u00fcblichen gemeinsamen Gebet sozusagen private, pers\u00f6nliche Gebete empfohlen haben. F\u00fcr Jesus war Gebet nicht eine Pflicht oder gute Tat, sondern Zwiesprache mit seinem Vater im Himmel, f\u00fcr ihn auf Aram\u00e4isch mit seinem abba. Der oder die Betende ruft als Kind Gottes \u00a0\u00a0den Vater an.<\/p>\n<p>Wie im allgemeinen so auch im Vaterunser bewegt sich Jesus auf dem Boden der j\u00fcdischen Tradition seiner Zeit. Und Ben-Chorin meint: .Die Eigenart des Vaterunsers gegen\u00fcber j\u00fcdischen Gebeten besteht nicht darin, dass seine Formulierung und sein Inhalt besonders originell w\u00e4ren. Im Gegenteil, alle Bitten haben ihre Parallelen in j\u00fcdischen Gebeten\u201c. Ja sie haben nicht nur ihre Parallelen in j\u00fcdischen Gebeten; das Gebet, das Jesus seine J\u00fcnger lehrt, ist ein j\u00fcdisches Gebet vom ersten bis zum letzten Wort.<\/p>\n<p>Die Anrede \u201eUnser Vater im Himmel\u201c ist nicht etwa eine christliche Vorstellung, sondern eine genuin j\u00fcdische.<\/p>\n<p>Die Formel \u201eDein Name werde geheiligt\u201c entspricht dem Kaddisch-Gebet in der Synagoge. Dabei scheint Jesus eine schlichte Formulierung bevorzugt zu haben gegen\u00fcber der barocken \u00dcberladenheit, wie sie im Kaddisch verbreitet war.<\/p>\n<p>Die Bitte um das Reich Gottes entspricht der eschatologischen Naherwartung Jesu, die er nicht nur von Johannes dem T\u00e4ufer \u00fcbernommen hat, sondern sie spiegelt ein Grundgef\u00fchl der damaligen spannungsreichen Zeit. \u2013 Das Reich der Himmel komme auf diese Erde, und dann geschehe auf ihr der Wille Gottes, wie er bereits jetzt in den Himmeln geschieht. Der Wille Gottes \u2013 das ist der Friede und so schlie\u00dft das Kaddisch: \u201eDer Friede schafft in seinen H\u00f6hen, der schaffe Frieden uns und ganz Israel; und darauf sprechet: Amen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eUnser t\u00e4gliches Brot gib uns heute\u201c. Das Hebr\u00e4ische sollte mit \u201edas uns f\u00fcr jeden Tag oder f\u00fcr den kommenden Tag zukommende Brot\u201c \u00fcbersetzt werden. Es soll also nicht mehr als das n\u00f6tige, keine Anh\u00e4ufung materieller Wert erbeten werden. Wer um nicht mehr bittet als um das Brot f\u00fcr morgen, vertraut sich der F\u00fcrsorge Gottes an.<\/p>\n<p>\u201eUnd vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern\u201c, das findet sich \u2013 so f\u00fchrt Ben-Chorin weiter aus \u2013 im Talmud (\u201eBelehrung\u201c). Dabei ist Schuld im Sinn von S\u00fcnde gemeint.<\/p>\n<p>\u201eUnd f\u00fchre uns nicht in Versuchung\u201c kommt fast w\u00f6rtlich genau im t\u00e4glichen Morgengebet der Synagoge vor. Mit diesen Worten tun sich viele Christen schwer, wie kann man es einem g\u00fctigen Gott zutrauen will, dass er die Menschen Versuchungen aussetzt, ihnen gleichsam Fallen stellt. Es ist eine Bitte um Bewahrung vor Versuchung, der wohl jeder Mensch manchmal ausgesetzt ist. Kann der Satz als \u201eF\u00fchre uns in der Versuchung\u201c gedeutet werden?<\/p>\n<p>Bei Matth\u00e4us 6, 9\u201313 sind zus\u00e4tzlich zu dem Text des Lukas noch die Worte \u201erette oder erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen\u201c angeschlossen\u201c. Gemeint ist das B\u00f6se und nicht der Satan.<\/p>\n<p>\u00dcberdies ist anzunehmen, dass das Vaterunser nicht als eine abgeschlossene, starre Liturgie aufzufassen war, sondern ein Modell daf\u00fcr sein sollte, wie man in der Schlichtheit des Herzens beten soll, und dass durchaus S\u00e4tze angeh\u00e4ngt oder abgewandelt werden konnten, also das Vaterunser mehr als Gebetsbeispiel denn als starre Gebetsformel.<\/p>\n<p>Das Kapitel \u201eLehre uns beten\u201c schlie\u00dft bei Ben-Chorin etwa folgenderma\u00dfen: In seiner Schlichtheit\u00a0 und Geschlossenheit aber ist das Vater unser tats\u00e4chlich ein H\u00f6hepunkt. Es ist zeitlos, obwohl es ganz den Geist seiner Zeit atmet. Aus der Naherwartung des Reiches Gottes freilich wurde die Fernerwartung, aber der Glaube wird immer in der Erwartung leben, in der Erwartung des Unbekannten, eben des Reiches Gottes.\u00a0 Das Reich Gottes ist einerseits das Fernste, f\u00fcr den wahrhaftig Betenden zugleich das N\u00e4chste. Das Reich ist in der betenden Gemeinde schon vorweggenommen. So hei\u00dft es doch bei Lukas (17, 21): \u201eDas Reich Gottes ist mitten unter euch\u201c.<\/p>\n<p>Peter Soustal<\/p>\n<p>Eine \u00dcbersicht der Nachlesen ist <a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2013\/08\/gedanken-zu-den-sonntags-bibelstellen-nachlese\/\">hier zu finden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Sommer wurden Frauen und M\u00e4nner aus unserer Pfarrgemeinde von Pfarrer Norbert eingeladen, vor allem in den von unserem indischen Aushilfskaplan Suresh geleiteten Samstagabendmessen ihre Gedanken zur den Lesungen des Sonntags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen. 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