{"id":2375,"date":"2014-04-21T18:12:04","date_gmt":"2014-04-21T16:12:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=2375"},"modified":"2014-06-08T20:53:21","modified_gmt":"2014-06-08T18:53:21","slug":"gedanken-zu-oster-bibelstellen-20-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2014\/04\/gedanken-zu-oster-bibelstellen-20-4\/","title":{"rendered":"Gedanken zu Oster-Bibelstellen &#8211; 20.4."},"content":{"rendered":"<p>Frauen und M\u00e4nner aus unserer Gemeinde werden immer wieder von Pfarrer Norbert\u00a0 eingeladen, ihre Gedanken zur den Lesungen eines Sonntags oder Feiertags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen.<\/p>\n<p>Hier die Gedanken von Stefanie Huber zu den ostermorgendlichen Lesungen\u00a0 aus <a href=\"http:\/\/www.erzabtei-beuron.de\/schott\/schott_anz\/index.html?file=osterzeit%2Fostersonntag%2FNacht_2A.htm\" target=\"_blank\">R\u00f6m 6, 3-11 und Mt 28, 1-10<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2380\" src=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630-300x200.jpg\" alt=\"mwsat-20140420-IMG_0630\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630-800x534.jpg 800w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/mwsat-20140420-IMG_0630.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Lieber Pfarrer Norbert, letzten Freitag habe ich dir meine Gedanken zum heurigen Osterfest in Kurzform erz\u00e4hlt. Ich habe erz\u00e4hlt, dass ich glaube, dass es auch in der diesseitigen Welt ein Ber\u00fchren des Unverg\u00e4nglichen gibt und vom Fundamentwechsel, den ich erfahre. Danke, dass du mich gefragt hast, ob ich die Gedanken, die ich mir gemacht habe, selber vorbringen m\u00f6chte.\u00a0 Du hast mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass das heurige Osterfest auch insofern besonders f\u00fcr mich ist, weil ich heuer 30 werde.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele von Ihnen bin ich ein bekanntes Gesicht, viele von euch kennen mich. Ich bin hier in der Pfarre Gersthof gro\u00df geworden. Auch au\u00dferhalb der Pfarre bin ich sehr beh\u00fctet aufgewachsen, bis ich dann vor zwei Jahren in meiner heilen Welt das erste Mal mit einem gro\u00dfen Abschied konfrontiert worden bin. Kurze Zeit darauf ist der Freund meiner Schwester an Krebs erkrankt und acht Monate sp\u00e4ter im Alter von 28 Jahren gestorben.<\/p>\n<p>Dadurch war ich gezwungen, meinen bisher sehr geradlinigen und sicheren Weg ein St\u00fcck weit zu verlassen bzw. diesen zu \u00fcberpr\u00fcfen und neu zusammenzusetzen.<\/p>\n<p>Mit der Botschaft des Osterevangeliums, haben sich meine Familie und ich letzten Juni anders als bisher auseinandergesetzt.<br \/>\nUnmittelbar nachdem der Freund meiner Schwester im AKH verstorben war, kamen wir zu ihr und nahmen ebenfalls Abschied von Thomas. Obwohl nun der Moment eingetreten war, vor dem wir uns so gef\u00fcrchtet hatten, war ein gro\u00dfer Frieden im Zimmer sp\u00fcrbar. In dem Moment war alles gut. Der K\u00f6rper, der dort am Totenbett lag, das war nicht er, das war nur seine H\u00fclle. Und gleichzeitig habe ich gesp\u00fcrt, dass Thomas, so wie ich ihn gekannt habe, in seiner Art und Fr\u00f6hlichkeit, nicht verloren gegangen war. Ebenfalls im Raum anwesend war Mercedes, die zu uns meinte: \u201eVielleicht verstehe ich jetzt zum ersten Mal die Osterbotschaft. K\u00f6nnte es nicht sein, dass die Geschichte genau diese Erfahrung ausdr\u00fcckt, die wir gerade erleben? Die Frauen, die im Grab von Jesus waren, und im \u00fcbertragenen Sinn erfahren haben, dass das Grab leer war, dass der Mensch, den sie so gut kannten, nicht mehr da war. Weil dieser tote K\u00f6rper eben nicht mehr dieser Mensch ist. Und daraufhin vor dem Grab eine Begegnung und die Erfahrung und Gewissheit \u2013 es gibt etwas vom Menschen, das ist gr\u00f6\u00dfer als der Tod, das bleibt, das \u00fcberlebt auch den Tod.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe im Zuge der Ostervorbereitung einen Text gefunden, der diese Erfahrung auch ausdr\u00fcckt:<br \/>\nWer einen Menschen<br \/>\nbis an die Schwelle<br \/>\ndes Jenseits begleitet,<br \/>\ndarf etwas Unvergessliches<br \/>\nerleben.<br \/>\nEr nimmt mit eigenen Sinnen<br \/>\nwahr, dass der Tote (also sein K\u00f6rper)<br \/>\nnicht die dahingeschiedene<br \/>\nPerson ist \u2013 und die Person<br \/>\nnicht tot ist.<\/p>\n<p>Nach dem Tod hat sich mir sehr intensiv die Frage gestellt, wie ein 28j\u00e4hriges Leben sinnvoll gewesen sein kann, wenn doch in diesem Alter noch so viel vor einem liegt und sich Krankheit und Tod in einer Lebensphase ereignen, die eigentlich ganz anderen Themen, wie der Familiengr\u00fcndung, dem Berufseinstieg, usw gewidmet sein sollte. Wenn doch so vieles offen geblieben ist, was zu einem \u2013 nach unserer Meinung \u2013 erf\u00fcllten Leben dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und weil ich daran glauben m\u00f6chte, dass jedes Menschenleben in sich sinnvoll ist, habe ich mir die Frage gestellt, ob dann der Sinn vielleicht durch etwas anderes gegeben ist. Was ich mir von seinem kurzen Leben mitnehme ist folgendes: in zwischenmenschlichen Beziehungen einen guten Nachgeschmack hinterlassen.<\/p>\n<p>Vor diesem Erlebnis war f\u00fcr mich klar, ich habe noch mindestens 60 Jahre zu leben. Zeit, alles zu erreichen, was ich erreichen m\u00f6chte. Durch diesen Tod war diese Sicherheit weg. Zum ersten Mal war f\u00fcr mich die Endlichkeit ganz konkret greifbar. Was m\u00f6chte ich in meinem Leben erreichen, wenn es vielleicht nur noch 3 Jahre dauert? Da verschieben sich die Wertigkeiten.<br \/>\nDurch diese nahe Ber\u00fchrung mit dem Thema Tod ist mit einem Mal vor mir gelegen, was alles im Leben verg\u00e4nglich ist.<br \/>\nZum Verg\u00e4nglichen geh\u00f6ren mein Beruf, meine Wohnung, mein K\u00f6rper, meine Rollen \u2013 ich als Schwester, ich als Freundin, ich als Tochter, \u2026 &#8211; das alles kann ich nicht mitnehmen, wenn ich sterbe.<\/p>\n<p>Das sind aber im Gro\u00dfen und Ganzen die Dinge, die mein Leben bestimmen, die Dinge, \u00fcber die sich unsere Gesellschaft definiert, und die dadurch \u00fcber Sein oder Nicht-Sein entscheiden. Wenn ich in einer Beziehung bin, einen guten Beruf habe, wenn ich Leistung erbringe, dann bin ich wer. Wenn ich das alles nicht habe, bin ich niemand.<\/p>\n<p>Und das ist ein weitere gro\u00dfe Erfahrung, die mich seit zwei Jahren begleitet: Ich BIN trotzdem.<br \/>\nIn all dem Abschied nehmen und mich neu ordnen, bin ich einer Liebe begegnet, die IST, die kann man nicht machen. Eine Liebe, die hinter den Dingen steckt. Eine Liebe die alles zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Blitzlichtartig ist eine Liebe sp\u00fcrbar geworden, eine Zugeh\u00f6rigkeit, die jeden Abschied, und sogar den Tod, die alle Zeit \u00fcberdauert, die sozusagen ewig ist.<\/p>\n<p>Das Diesseits, also unser Leben im Verg\u00e4nglichen ist gepr\u00e4gt vom dualistischen Prinzip, von richtig und falsch, gut und b\u00f6se, sch\u00f6n und h\u00e4sslich, Erfolg und Misserfolg. Alles was einem widerf\u00e4hrt, wird sofort bewertet. Das f\u00fchlt sich gut an, das f\u00fchlt sich schlecht an. Dieser Mensch handelt richtig, dieser Mensch handelt falsch. Du bist stark und du bist schwach.<br \/>\nHier m\u00f6chte ich auf die heutige Lesung (aus dem R\u00f6merbrief) zur\u00fcckkommen. F\u00fcr mich beschreibt die heutige Lesung einen Prozess. N\u00e4mlich den Fundamentwechsel vom Verg\u00e4nglichen zum Unverg\u00e4nglichen.<\/p>\n<p>Durch ein \u00e4u\u00dferes traumatisches Erlebnis ausgel\u00f6st, kommt es zu einer inneren Umschichtung, einem Prozess, wo bisherige Wertigkeiten in Frage gestellt werden. Die Lesung spricht davon, dass man den alten Menschen hinter sich l\u00e4sst. Der alte Mensch lebt mit den Wertigkeiten des Verg\u00e4nglichen.<\/p>\n<p>Die Lesung sagt, wer stirbt, wer losl\u00e4sst, l\u00e4sst all seine Verg\u00e4nglichkeit zur\u00fcck. Die Lesung beschreibt also einen Vorgang, wo die Wertigkeiten des Verg\u00e4nglichen keine Macht mehr \u00fcber uns haben. Es gibt etwas, das ist gr\u00f6\u00dfer als jede Verg\u00e4nglichkeit, n\u00e4mlich die Unverg\u00e4nglichkeit. Diese Unverg\u00e4nglichkeit wird zum neuen Fundament. Wenn man aus diesem Fundament der Unverg\u00e4nglichkeit heraus handelt, kann (ich zitiere den Originaltext der Lesung) \u201eGott meine Glieder als Waffen im Kampf f\u00fcr das Gute einsetzen\u201c. Diese Formulierung klingt f\u00fcr mich sehr hart. Aber sie sagt sch\u00f6n, dass ich sozusagen im Auftrag eines Anderen handle. Dass ich zu einem Werkzeug des Friedens werde. Wobei Gott nicht von au\u00dfen Befehle erteilt. Es ist ein Prozess, der sich aus dem Inneren heraus entwickelt. So wie die Knospen und Bl\u00fcten im Fr\u00fchling aus dem Inneren herausquellen, so quillt friedliches Handeln aus einem.<\/p>\n<p>Also noch einmal zusammengefasst: Es geht um einen Prozess, in dem das Verg\u00e4ngliche einen ad\u00e4quaten Stellenwert im Leben bekommt. Es geht um die Erfahrung, dass ich Teil des Unverg\u00e4nglichen bin. Schon jetzt, nicht erst nach meinem Tod. Nicht mehr das Verg\u00e4ngliche ist mein Fundament, mein Grund und Boden auf dem ich stehe, sondern das Unverg\u00e4ngliche. Und es gibt ein Handeln aus dieser Unverg\u00e4nglichkeit heraus.<\/p>\n<p>Durch den Kontrollverlust in den Situationen des Abschieds habe ich mein Leben aus der Hand geben m\u00fcssen. Ich hatte keinen Boden mehr unter den F\u00fc\u00dfen. Durch den Kontrollverlust bin ich darauf sensibilisiert worden, dass es darunter einen anderen Boden gibt, der noch viel mehr tr\u00e4gt. Ich habe erlebt, dass ich das Leben nicht in der Hand halten muss, weil es mich liebevoll in der Hand h\u00e4lt. Weil ich auf so festem Grund stehe, verlieren die Wertigkeiten des Diesseits, des Verg\u00e4nglichen ihre Macht und ich muss nicht mehr aus ihnen heraus handeln.<\/p>\n<p>Weil mein Sein oder Nicht-sein nicht mehr von dieser Ebene abh\u00e4ngt. Das erweitert mein Handlungsspektrum.<br \/>\nEs geht nicht darum, keine Fehler mehr zu machen. Es geht darum, Fehler nicht als Bedrohung anzusehen oder zu erleben. Es geht darum, das Scheitern in die eigene Komfortzone hereinzuholen.<\/p>\n<p>Dadurch wird das Leben spielerischer, beweglicher. Das Leben wird aber auch angstfreier und sorgloser.<br \/>\nIn einem Moment bin ich gro\u00df, im n\u00e4chsten klein. Das geht, weil das Klein-sein keinen Gesichtsverlust mehr bedeutet.<br \/>\nUnd das geht aber nur, weil ich vorher die Gewissheit erlebt habe, dass ich hinter allen Dingen und Ebenen gro\u00df BIN. Weil ich mich als angenommen erlebe. Wie ein kleines Kind, das sich von seiner Mutter besch\u00fctzt f\u00fchlt und sich daher traut, Neues auszuprobieren.<br \/>\nIch stelle mir das wie ein selbstregulierendes System vor. Dort wo viel Platz ist, nehme ich viel Platz ein, dort wo wenig Platz ist, nehme ich wenig Platz ein. Dieses Bild ist mir in der Stra\u00dfenbahn gekommen, als ich neben einem kr\u00e4ftigen Menschen nur noch ein Drittel der beiden Sitze zur Verf\u00fcgung hatte. Mein erster Gedanke war, den Platz, der mir zusteht, einzufordern. Aber andererseits braucht die andere Person in dem Moment einfach mehr Platz und ich komme mit weniger aus. Also kann ich f\u00fcr diese viertel Stunde mit weniger Platz auskommen. Beim n\u00e4chsten Mal hab ich vielleicht zwei Sitze zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Vorhin habe ich gesagt, dass das Verg\u00e4ngliche seinen ad\u00e4quaten Stellenwert im Leben bekommt. Ich denke es ist sehr wichtig bei den \u201eprofanen\u201c Spielregeln des Lebens mitzuspielen. Es ist wichtig zu wissen, das geh\u00f6rt mir, das geh\u00f6rt dir. Es ist wichtig meine Rollen einzuhalten, die Rolle als Schwester, die Rolle als Tochter, die Rolle als Pfarrmitglied. Es ist wichtig sich Ziele zu stecken, etwas erreichen zu wollen. Das gibt meinem Leben Struktur.<\/p>\n<p>Mein letzter Halt jedoch, das habe ich in Blitzlichtern erfahren, der gr\u00fcndet sich im Urgrund, in der Unverg\u00e4nglichkeit des Lebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen und M\u00e4nner aus unserer Gemeinde werden immer wieder von Pfarrer Norbert\u00a0 eingeladen, ihre Gedanken zur den Lesungen eines Sonntags oder Feiertags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen. Hier die Gedanken von Stefanie Huber zu den ostermorgendlichen Lesungen\u00a0 aus R\u00f6m 6, 3-11 und Mt 28, 1-10. 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