{"id":2535,"date":"2014-08-21T21:54:56","date_gmt":"2014-08-21T19:54:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=2535"},"modified":"2014-08-21T21:54:56","modified_gmt":"2014-08-21T19:54:56","slug":"gedanken-zum-evangelium-des-3-8-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2014\/08\/gedanken-zum-evangelium-des-3-8-2014\/","title":{"rendered":"Gedanken zum Evangelium des 3.8.2014"},"content":{"rendered":"<p>Frauen und M\u00e4nner aus unserer Gemeinde werden immer wieder von Pfarrer Norbert\u00a0 eingeladen, ihre Gedanken zur den Lesungen eines Sonntags oder Feiertags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen.<\/p>\n<p>Hier die Gedanken von Susanne Lehne zur Lesung aus\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.erzabtei-beuron.de\/schott\/register\/jahreskreis\/schott_anz\/index.html?file=jk18%2FSonntagA.htm\" target=\"_blank\">dem Matth\u00e4us-Evangelium 14. Kapitel, Verse13-21,\u00a0 vom 3.8.2014<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus,<\/p>\n<p>Ich weiss nicht, wie es Euch in den letzten Wochen ergangen ist, aber ich muss Euch gestehen, dass ich durch die Nachrichten von soviel Krieg und Leid und Elend in der Welt sehr verst\u00f6rt und oft recht verzagt bin. Dazu kommen dann noch pers\u00f6nliche Leidensgeschichten, die Menschen in meiner Umgebung mit mir geteilt haben. In dieser Situation hab ich mich dann gefragt, was kann uns heute die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung sagen? K\u00f6nnen wir diese Botschaft vom Leben in F\u00fclle \u00fcberhaupt h\u00f6ren? Finden wir uns in dieser Geschichte wieder?<\/p>\n<p>Die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung kommt sechs mal in den Evangelien vor (Mt 14,13-21; 15,32-39: Mk 6,35-44; 8,1-10; Lk 9,12-17; Joh 6,1-14) , \u00f6fter als irgendeine andere Geschichte. Nicht nur erz\u00e4hlt sie jeder der 4 Evangelisten, sondern Markus und Matth\u00e4us haben gleich zwei Versionen davon zu bieten. Sie ist also tief in der christlichen \u00dcberlieferung verankert und hatte von Anfang an Verbindungen zur Eucharistie. Die fr\u00fchen Christen haben sich f\u00fcr ihre Eucharistiefeiern nicht nur auf das letzte Abendmahl bezogen, sondern neben unserer heutigen Wundergeschichte, waren die Erz\u00e4hlung von Jesu Mahlfeiern mit S\u00fcndern und Z\u00f6llnern und vorallem auch die Schilderungen der Mahlzeiten mit dem Auferstandenen am See Genesareth von grosser Bedeutung.<\/p>\n<p>Wir erkennen im heutigen Evangelium deutlich die Echos der Eucharistiefeier: Jesus <strong>nahm<\/strong> die Brote, <strong>sprach<\/strong> den Lobpreis, <strong>brach<\/strong> sie, <strong>gab<\/strong> sie weiter und <strong>alle assen<\/strong> davon. Hingegen f\u00e4llt uns auf, dass es keinen Becher mit Wein gibt, daf\u00fcr aber seltsamerweise zwei Fische. Es findet sich auch kein Bezug zum Pessachopfer. Hier handelt es sich vielmehr um eine Geschichte, die auf das messianische Gastmahl am Ende der Zeiten anspielt, von dem uns die j\u00fcdischen Schriften immer wieder berichten. Unsere heutige erste Lesung aus Jesaja 55 enth\u00e4lt so eine Verheissung des eschatologischen Festmahls, bei dem jeder Durst gestillt wird und sich alle &#8211; ohne Gegenleistung und ohne Bezahlung &#8211; an den k\u00f6stlichsten Speisen satt essen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnen wir, die wir hier im \u00dcberfluss leben und physischen Hunger nicht kennen, \u00fcberhaupt mit diesen Bildern etwas anfangen? Wir wissen alle, dass es leider noch unendlich viele Menschen gibt, die unterern\u00e4hrt sind und hungern, ja sogar an Hunger sterben. Aber wir stumpfen ab und nehmen die Nachrichten dar\u00fcber oft nicht mehr auf, sie werden zu Statistiken, die uns nicht mehr ber\u00fchren. In gewisser Weise sch\u00fctzen wir uns auch vor zuviel Information und unsere Empathie kennt einfach Grenzen.<\/p>\n<p>Schauen wir genauer auf das heutige Evangelium. Es beginnt mit der Nachricht der grausamen Ermordung von Johannes d. T\u00e4ufer, die ja mit unserer Wundergeschichte scheinbar nichts zu tun hat. Aber dieser Kontext ist insofern wichtig, als wir sehen, dass auch Jesus unter Schock steht und leidet \u2013 er erf\u00e4hrt von dieser Greueltat und zieht sich an einen einsamen Ort zur\u00fcck, um allein zu sein und um das zu verarbeiten. Wir kennen diese Reaktion nur zu gut.<\/p>\n<p>Aber dann, als Jesus die vielen Menschen sieht, die ihm nachgegangen sind, hat er Mitleid und wendet sich ihnen und ihren Leiden zu. Und als es Abend wird, wollen die J\u00fcnger die Menschen wegschicken \u2013 sie sind pragmatisch und \u00fcberlegen sich, dass es in den D\u00f6rfern leichter f\u00fcr alle w\u00e4re, sich zu verk\u00f6stigen. Aber Jesus l\u00e4sst sich nicht beirren, er will die Menschen nicht wegschicken. Statt dessen, fordert er seine J\u00fcnger auf, aktiv zu werden. Er dreht den Spiess um und fragt sie, was sie f\u00fcr Vorr\u00e4te auftreiben k\u00f6nnen. Jetzt f\u00e4llt der bedeutsame Satz:<\/p>\n<p><strong>\u201eGebt ihr ihnen zu essen!\u201c<\/strong> Sicher muss das den J\u00fcngern verr\u00fcckt vorgekommen sein, wie sollten sie soviele Menschen ern\u00e4hren? Die Ausbeute ist in der Tat mager: 5 Brote und 2 Fische! Trotzdem fordert Jesus sie auf, sie ihm zu bringen. Dann schafft Jesus die Basis damit die J\u00fcnger helfen k\u00f6nnen. Er segnet, bricht und gibt ihnen das Brot, aber die J\u00fcnger sind es, die es an alle verteilen und dann wundersamerweise noch so viele Reste einsammeln. In der Art, wie Matth\u00e4us die Geschichte erz\u00e4hlt, liegt die Betonung weniger auf dem Wunder, trotz der grossen Zahl der 5000 M\u00e4nner, nebst Frauen und Kindern. Vielmehr unterstreicht der Evangelist die N\u00e4he zur Eucharistiefeier, die den H\u00f6rern und Lesern seines Evangeliums vertraut war.<\/p>\n<p>In der Eucharistie bringen wir die Fr\u00fcchte der Erde dar, die uns geschenkt wurden. Wir bringen aber auch uns selbst dar, damit <strong>wir<\/strong> mit diesen Gaben gewandelt werden, damit wir unsere Selbstbezogenheit aufgeben lernen und offener werden f\u00fcr die N\u00f6te der anderen. Wir brechen und teilen dieses Brot des Lebens in der Gegenwart des Auferstandenen, der uns Seinen Geist schenkt und uns bef\u00e4higt, selbst f\u00fcr andere zur <strong>Brot-gabe<\/strong> zu werden. Er ruft uns zu: \u201eGebt doch ihr ihnen zu essen!\u201c Er traut uns das zu. Immer wieder, bei jeder Eucharistiefeier, l\u00e4dt uns Jesus ein, die vielf\u00e4ltigen Formen des Hungers in der Welt zu stillen. Im Brechen und Teilen und Essen des Leibes Jesu werden wir hineingenommen in eine Gemeinschaft der Solidarit\u00e4t, wir bilden nach und nach einen Leib in dem alle Glieder voneinander abh\u00e4ngig sind und f\u00fcreinander da sind. Das braucht nat\u00fcrlich lebenslange Ein\u00fcbung, ein stetes Eingestehen der eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten und die Bereitschaft zu neuen Anf\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Diesen Zusammenhang von eucharistischer Gemeinschaft und sozialer Verantwortung f\u00fcreinander hat Dietrich Bonhoeffer in der Schrift &#8222;Gemeinsames Leben&#8220; so beschrieben (ich zitiere:)<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Tischgemeinschaft der Christen bedeutet Verpflichtung. Es ist unser t\u00e4glich Brot, das wir essen, nicht mein eigenes. Wir teilen unser Brot. So sind wir nicht nur im Geiste, sondern mit unserem ganzen leiblichen Wesen fest miteinander verbunden. Das eine Brot, das unserer Gemeinschaft gegeben ist, schlie\u00dft uns zu einem festen Bund zusammen. Nun darf keiner hungern, solange der andere Brot hat, und wer diese Gemeinschaft des leiblichen Lebens zerst\u00f6rt, der zerst\u00f6rt damit auch die Gemeinschaft des Geistes. Unl\u00f6slich ist beides verbunden. Solange wir unser Brot gemeinsam essen, werden wir auch mit dem wenigsten genug haben. Erst wo einer sein eigenes Brot f\u00fcr sich selbst behalten will, f\u00e4ngt der Hunger an. Das ist ein seltsames Gesetz Gottes.\u201c<\/em><\/p>\n<p>So kann das Reich Gottes ansatzweise immer wieder dort sichtbar werden, wo Menschen, wie die J\u00fcnger im heutigen Evangelium, auf Jesu Wort h\u00f6ren, sich aufr\u00fctteln lassen, f\u00fcreinander Verantwortung \u00fcbernehmen und ihr Leben \u2013 ihre G\u00fcter, ihre Talente, ihre Zeit &#8211; mit anderen teilen.<\/p>\n<p>In der Taufe sind wir berufen, uns in Liebe um andere zu k\u00fcmmern, wie Jesus es uns vorgelebt hat. Kraft seiner Liebe zu uns, die er uns Tag f\u00fcr Tag ganz unverdient immer wieder neu schenkt, k\u00f6nnen wir vielleicht erahnen, was \u201eLeben in F\u00fclle\u201c sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wenn wir den Impuls haben, davonzulaufen, weil uns alles zuviel wird und wir uns hilflos f\u00fchlen, k\u00f6nnen wir Gott um seine Hilfe bitten, damit diese Gabe seiner Liebe, zur <strong>Auf-gabe<\/strong> und zur <strong>Hin-gabe<\/strong> werden kann \u2013 um diese empfangene Liebe an andere weiterzuschenken. Paulus sagt heute in der 2. Lesung, dass uns nichts von dieser Liebe Gottes scheiden kann, selbst die schlimmsten Leiden, die uns treffen k\u00f6nnen. Sie werden uns nicht abgenommen, aber Paulus bezeugt seine Erfahrung, dass die Liebe Gottes st\u00e4rker ist als alles Leid dieser Welt.<\/p>\n<p>Jesus braucht uns alle, jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns, um sein Reich aufzubauen. Er traut uns das zu, trotz unseres Egoismus und all unserer Schw\u00e4chen. Wenn wir aufmerksam werden, wenn wir Interesse zeigen und hinschauen, wo es Not gibt, wenn wir uns von Dingen und Gewohnheiten l\u00f6sen und verf\u00fcgbar werden, k\u00f6nnen wir Jesu Werkzeuge in der Welt werden.<\/p>\n<p>Dann sind wir sind seine H\u00e4nde, seine F\u00fcsse, seine Augen und Ohren,<br \/>\nunsere Herzen und Lippen sind es,<br \/>\ndurch die Jesus dann die Menschen anspricht und erreicht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><em>Susanne Lehne<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen und M\u00e4nner aus unserer Gemeinde werden immer wieder von Pfarrer Norbert\u00a0 eingeladen, ihre Gedanken zur den Lesungen eines Sonntags oder Feiertags allen Gottesdienstbesuchern vorzutragen. Hier die Gedanken von Susanne Lehne zur Lesung aus\u00a0 dem Matth\u00e4us-Evangelium 14. 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