{"id":3834,"date":"2016-04-09T17:04:15","date_gmt":"2016-04-09T16:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=3834"},"modified":"2016-04-09T17:04:15","modified_gmt":"2016-04-09T16:04:15","slug":"nachlese-predigt-der-ostervesper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2016\/04\/nachlese-predigt-der-ostervesper\/","title":{"rendered":"Nachlese: Predigt der Ostervesper"},"content":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren laden wir zu dieser Wort-Gottes-Feier ChristInnen aller Konfessionen herzlich ein. Die Auslegung der biblischen Texte \u00fcbernimmt jeweils ein\/eine Amtstr\u00e4ger\/in aus einer Schwesternkirche, heuer, am Ostersonntag 27.4., war es Pfarrerin Mag. Andrea Petritsch, amtsf\u00fchrende evangelische Pfarrerin der <a href=\"http:\/\/www.weinbergkirche.at\/\" target=\"_blank\">Weinbergkirche<\/a>, Wien 19.<\/p>\n<p>Da viele an diesem Sonntag, dieser Predigt gerne zugeh\u00f6rt haben, ist der Wortlaut hier nachzulesen:<\/p>\n<p><strong>Predigt: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/EU\/Johannes20\" target=\"_blank\">Johannes 20, 11-18<\/a><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Eigentlich sollten wir leise und vorsichtig wieder gehen. Fort von dieser Szene, fort von dieser verzweifelten Trauer \u2013 wir w\u00fcrden die Frau nur st\u00f6ren, au\u00dferdem k\u00f6nnten wir sie gar nicht erreichen. H\u00f6chstens vorsichtig in den Arm nehmen, aber welches Wort k\u00f6nnte den Schmerz linden, was sollte ihr Trost geben? Au\u00dfer eines: Sie m\u00f6chte wieder haben, was sie verloren hat.\u00a0 Und das ist viel und das ist unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Jesus hat sie geheilt. Und sie ist ihm nachgefolgt wie ihre m\u00e4nnlichen Kollegen, ja sie hat die ganze Bewegung mit ihrem Geld unterst\u00fctzt. Er war etwas Besonderes f\u00fcr sie und sie f\u00fcr ihn wohl auch. Denn immer, wenn von den Frauen, den J\u00fcngerinnen, die Rede ist, dann wird Maria Magdalena an erster Stelle genannt. Sogar noch unter dem Kreuz hat sie ausgeharrt, erz\u00e4hlt Johannes. Jetzt ist sie am Ende ihrer Kraft.<\/p>\n<p>Wir sollten uns fort stehlen, bevor wir unangenehm auffallen. Wir sollten uns vorsichtig und leise von dieser im Weiteren so ganz pers\u00f6nlichen und intimen Begegnung davon stehlen. Es geht nicht um uns. Es geht um sie, Maria, beziehungsweise um die Beiden. Maria wird gerufen. Ihr Leben wendet sich.<\/p>\n<p>Aber wir, was machen wir?<\/p>\n<p>Wenn Johannes mit dieser Szene wirklich nur die pers\u00f6nlich intensive Begegnung einer Maria Magdalena mit Jesus, dem gerade Auferstandenen erz\u00e4hlen w\u00fcrde. Wenn Johannes nur erz\u00e4hlen w\u00fcrde, wie Maria damals ihre Trauer durch diese Begegnung \u00fcberwinden konnte und zur begeisterten Apostola apostolorum, also der Verk\u00fcnderin der Apostel, geworden ist, also dann k\u00f6nnten wir uns wohl wirklich davon stehlen, und das weitere H\u00f6ren und Lesen sein lassen. Denn das ginge uns heute wirklich nicht mehr viel an. Aber wie immer in seinem Evangelium erz\u00e4hlt Johannes weit mehr als Geschichten. Er erz\u00e4hlt solche, das wohl, aber eben nicht nur. Br\u00fcche deuten an, dass da noch viel mehr drinnen steckt. Da gibt es nicht nur eine Ebene des m\u00f6glichen Verstehens, da gibt es viele Schichten.<\/p>\n<p>Als erstes spielt die Geschichte in einem Garten. Johannes ist der einzige der Evangelisten, der diesen Garten erw\u00e4hnt. \u201eEs war aber an der St\u00e4tte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus.\u201c \u2013 so hei\u00dft es im Kapitel davor. Dieser Garten ist nicht identisch oder gleichbedeutend mit dem Garten Gethsemane. Denn wenn vom Garten Gethsemane die Rede ist, wird ein anderes griechisches Wort benutzt, das eigentlich mit Landgut wiedergegeben werden m\u00fcsste. Aber hier hei\u00dft es wirklich Garten. Auferstehung findet also in einem Garten statt, nat\u00fcrlich ist dies gleichzeitig der Garten der Grablegung. Aber Tod und Grab haben eben nicht das letzte Wort. Der Garten des Lebens ist st\u00e4rker. Denn es ist der von Gott geschenkte Garten des Lebens und damit auch der von Gott geschenkte Garten des Paradieses, in dem es keinen Tod und keine Schuld geben soll. Erinnern Sie sich an die Paradiesgeschichte? So ist es von Gott gedacht. Wir haben diesen Garten seit Sch\u00f6pfungstagen verloren. Aber mit Jesus, so sagt Johannes, mit Jesu Tod und Auferstehung haben wir wieder Zugang zu diesem Garten. Wir sind wieder in diesem Garten. Und Jesus ist der G\u00e4rtner, wer sollte er auch anders sein.<\/p>\n<p>Und die beiden Engel in ihren typisch wei\u00dfen Gew\u00e4ndern, sie spielen keine wirkliche Rolle in diesem Garten. Nicht einmal das, was sonst und in den anderen Auferstehungsgeschichten ihre vordringliche Aufgabe ist, &#8211; n\u00e4mlich die Auferstungsbotschaft weiterzugeben &#8211; erf\u00fcllen sie hier in dieser Geschichte. Sie haben keine Botschaft parat. Aber ihre Gegenwart\u00a0 weist auf\u00a0 die Gegenwart Gottes hin. Was hier in diesem Garten geschieht, das hat mit Gott zu tun und ist durch Gottes Gegenwart m\u00f6glich.<\/p>\n<p>So betreten wir nun mit Maria von Magdala den Garten des Lebens. Aber wie bei ihr ist auch unser Blick oft genug von Tr\u00e4nen verschleiert. Wir sehen nicht Bl\u00fchen, nicht Leben, nicht Lebendigkeit, wir sp\u00fcren nicht Gottes Gegenwart, wir sehen nur Leid und Tod, Terror. Wir erleben Verluste und Entt\u00e4uschungen. Unsere Gr\u00e4ber sind zahlreich und bestimmt verschlossen. Dass bei Maria das Grab offen ist, spielt erst einmal auch in Marias Verzweiflung keine Rolle. Ein offenes, leeres Grab hat bei ihrer Trauer keine Bedeutung. Es \u00e4ndert nichts. Sie sieht nur Leere, Leere, Leere, wie wir ja auch in solchen Situationen.<\/p>\n<p>Gibt es denn mehr? Gibt es anderes als dieses harte, m\u00fchselige, verg\u00e4ngliche Leben? Wie gerne w\u00fcrden wir die Momente des Gl\u00fccks festhalten oder wie gerne w\u00fcrden wir bewahren und auch zur\u00fcckholen, was uns einmal teuer und lieb gewesen ist. Wie Maria sind wir fixiert auf das, was so vordergr\u00fcndig vor Augen scheint. Leid, Tod, Verg\u00e4nglichkeit. Und wie Maria k\u00f6nnen auch wir uns nicht selbst Trost geben, wir k\u00f6nnen uns so schwer selbst sagen: \u201eLass doch das Weinen. Es gibt mehr als Tr\u00e4nen und Tod. Das Grab ist nicht das Letzte und vor allem nicht alles.\u201c Ich denke, Ihnen gelingt dies genauso wenig wie mir.<\/p>\n<p>Maria wird angesprochen und auch wir brauchen da einander. Wie sie brauchen wir das behutsam angesprochen werden, denn erst dann kann herausbrechen, das was so verzweifelt sein l\u00e4sst. Und dann und dadurch wendet sich Leben. Ja, Maria kann sich wenden, sie kann sich abwenden. Zum ersten Mal, weg vom Grab, weg vom Tod. Sie kann den ersten Schritt tun, weg von dem, was war. Sie wendet sich also um, und damit wendet sie sich wieder dem Leben zu, dem Garten, der Mitte. Aber so schnell geht es nicht, noch ist sie nicht frei, noch will sie festhalten und bewahren, sie will f\u00fcr sich retten, was ihr das Wichtigste gewesen ist. Wir k\u00f6nnen sie da wohl gut verstehen.<\/p>\n<p>Aber sie wird wieder und noch einmal angesprochen und schlie\u00dflich auch mit Namen gerufen. \u201eMaria!\u201c &#8211; Leider geben ja schwarze Buchstaben auf wei\u00dfem Papier nicht wieder, was da so alles bei diesem Namen rufen mitschwingt. \u2013<\/p>\n<p>Liebe, Wertsch\u00e4tzung, Z\u00e4rtlichkeit, Sorge, Wohlwollen, aufbauender Zuspruch, Trost! Und was noch alles?<\/p>\n<p>Denken Sie daran, wie Sie angesprochen, gerufen werden von denen, die Sie lieben und wertsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>So sind wir grunds\u00e4tzlich angesprochen. Jeder einzelne, jede einzelne. Auch wenn unser Universum unendlich gro\u00df ist und es absolut unm\u00f6glich erscheint, dass einzelnen so eine Bedeutung zukommt, aber diese Anrede gilt. Maria wie uns. Wir, wir erfahren sie in der Taufe. <em>\u201cF\u00fcrchte dich nicht, ich habe dich erl\u00f6st, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein\u201c \u201eDer gute Hirte kennt die Seinen und die Seinen kennen seine Stimme. Niemand wird sie aus seiner Hand rei\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das wird zu uns und \u00fcber uns gesagt.<\/p>\n<p>Und damit wendet sich Leben endg\u00fcltig, und Maria kann sich weg von Trauer und Tod, dem Leben wieder zuwenden. Sie erkennt die Mitte, sie erkennt das Wesentliche, sie erkennt ihren Lebensmeister, den G\u00e4rtner.<\/p>\n<p>Denn der G\u00e4rtner im Garten des Lebens, er ist gleichzeitig die Mitte im Sch\u00f6pfungsgarten\/im Paradiesgarten und er ist ihr Jesus, er ist sozusagen das Herzst\u00fcck ihres Lebens und des Lebens \u00fcberhaupt, aber er beziehungsweise dies l\u00e4sst sich nicht wirklich halten und er l\u00e4sst sich nicht fassen. Leider. Wie alles im Leben sich nicht halten und fassen l\u00e4sst, die sch\u00f6nen wie die schweren Momente. Maria muss es lernen, wie wir wohl auch.<\/p>\n<p>Aber die ins Leben rufende Anrede: Dies mit Namen gerufen werden: Dieses <em>\u201eDu bist gemeint. Du bist wichtig. Du bist wertvoll. Dir geh\u00f6rt meine Liebe.\u00a0 Lebe also\u201c. <\/em>dies hilft und es wendet Leben und bef\u00e4higt zum Leben. Ja dieser Ruf enth\u00e4lt sogar den Auftrag, im Namen Jesu weiterzuwirken und diese Lebensbotschaft weiterzugeben: Sein Vater ist unser Vater, sein Gott ist unser Gott, seine Liebe kommt uns zugute: Jesus lebt und wir sollen auch leben. Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren laden wir zu dieser Wort-Gottes-Feier ChristInnen aller Konfessionen herzlich ein. Die Auslegung der biblischen Texte \u00fcbernimmt jeweils ein\/eine Amtstr\u00e4ger\/in aus einer Schwesternkirche, heuer, am Ostersonntag 27.4., war es Pfarrerin Mag. 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