{"id":4471,"date":"2017-04-04T12:39:22","date_gmt":"2017-04-04T11:39:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=4471"},"modified":"2017-04-04T12:44:10","modified_gmt":"2017-04-04T11:44:10","slug":"bischof-aichern-wuerdigt-kpl-heinrich-maier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2017\/04\/bischof-aichern-wuerdigt-kpl-heinrich-maier\/","title":{"rendered":"Bischof Aichern w\u00fcrdigt Kpl. Heinrich Maier"},"content":{"rendered":"<p>Der damalige Gersthofer Kaplan <a href=\"\/komm\/pfarre-von-a-z\/information\/kaplan-dr-heinrich-maier\/\">Dr. Heinrich Maier<\/a> wurde am 22. M\u00e4rz 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet, in unserer Pfarre gedenken wir dieses Ereignisses jedes Jahr. F\u00fcr heuer hatte der Linzer Alt-Bischof Maximilian Aichern sein Kommen auf eine Einladung von Pfr. Norbert hin zugesagt und er ist dem 10 Uhr-Gottesdienst am Sonntag, 2. April, vorgestanden. In seiner Predigt hat Bischof Aichern einen sehr menschlichen Blick auf Kaplan Maier geworfen und die Mitfeierenden eingeladen, sich an dessen vom Gewissen gepr\u00e4gten Handeln auch heute zu orientieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4473\" src=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403-300x200.jpg\" alt=\"\" height=\"334\" width=\"501\" srcset=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403-800x534.jpg 800w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/mwsat-20170402-IMG_7403.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bischof Aicherns Predigt im Wortlaut:<\/p>\n<p>(Die Lesungen waren:&nbsp; Buch Ezechiel 37, 12b-14; Johannes-Evangelium 11, 1-45)<\/p>\n<p><em>Die biblischen Lesungen heute am 5. Fastensonntag, die wir eben geh\u00f6rt haben, passen sehr gut zum Gedenken an euren M\u00e4rtyrer der NS-Zeit Kaplan DDr. Heinrich Maier.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie in der Vision des Propheten Ezechiel \u00f6ffnet Gott, in besonderer Weise f\u00fcr den 1945 in Wien enthaupteten ehemaligen Kaplan hier in Gersthof, die Gr\u00e4ber. Jesus ist f\u00fcr ihn \u2013 wie auch f\u00fcr uns \u2013 \u201edie Auferstehung und das Leben\u201c. So sagt es Jesus im Evangelium zu Marta und setzt durch die Auferweckung des Lazarus vom Tod ein Zeichen, dass durch ihn Gott wirklich Leben schenkt.<\/em><\/p>\n<p><em>Heinrich Maier ist 1908 in Gro\u00dfweikersdorf im Weinviertel, n\u00f6rdlich des Tullnerfeldes, geboren. Sein Vater war Beamter der \u00d6sterreichischen Bundesbahnen und zog mit seiner Familie mehrfach an andere Orte, wo er eben Anstellungen erhielt. Heinrich Maier besuchte das Gymnasium in St. P\u00f6lten in Nieder\u00f6sterreich, dann jenes in Leoben in der Steiermark, wo er 1926 maturierte. Dann trat er ins Wiener Priesterseminar ein und studierte an der Theologischen Fakult\u00e4t der Wiener Universit\u00e4t. 1928 kam er ins Collegium Germanicum nach Rom und studierte weiter an der P\u00e4pstlichen Universit\u00e4t Gregoriana in Rom. In dieser Zeit waren in Rom seine Studienkollegen Franz K\u00f6nig, der sp\u00e4tere Kardinal-Erzbischof von Wien, Karl Berg, der sp\u00e4tere Erzbischof von Salzburg, Josef K\u00f6stner, sp\u00e4ter Bischof von Gurk-Klagenfurt, und Franz Zauner, sp\u00e4ter Bischof in Linz. Nach dem Doktorat in Rom kehrte er wieder ins Wiener Alumnat und zum Studium an die Wiener Theologische Fakult\u00e4t zur\u00fcck und wurde am 24. Juli 1932 im Wiener Stephansdom mit seinen Jahrgangskollegen von Kapitelvikar Weihbischof Dr. Franz Kamprath zum Priester geweiht. <\/em><\/p>\n<p><em>In Wien war damals kein Erzbischof, weil kurz vorher Kardinal Piffl verstorben war und Innitzer noch nicht ernannt war. \u00dcbrigens hat mich bald nach dem 2. Weltkrieg Weihbischof Kamprath in der Kirche St. Michael in Wien 1 gefirmt. Der Stephansdom war damals im Wiederaufbau, von den Zerst\u00f6rungen des 2. Weltkrieges unben\u00fctzbar. Dr. Maier wurde nach seiner Priesterweihe Kaplan in Schwarzau im Steinfeld, in Reichenau, in M\u00f6dling und schlie\u00dflich hier in Wien-Gersthof. Er war ein sehr angesehener Kaplan mit frohem Gem\u00fct, der bei den Menschen ankam und vor allem zu Kindern und Jugendlichen einen guten Zugang hatte. Er war gl\u00e4ubig, menschenfreundlich und weltoffen. Er war auch Religionsprofessor an verschiedenen H\u00f6heren Schulen, zuletzt am Gymnasium der Marienbr\u00fcder hier in W\u00e4hrung in der Semperstra\u00dfe. <\/em><\/p>\n<p><em>Als der Religionsunterricht 1938 durch das NS-Regime generell verboten wurde, blieb er weiterhin Kaplan in Gersthof und studierte weiter an der Wiener Theologischen Fakult\u00e4t, auch Jus. Ich erinnere mich, dass ich in der Volksschule in Wien, die ich 1939 begann, keinen Religionsunterricht mehr hatte, aber wir hatten in der Pfarre bei den Kalasantinern in Wien 14 Seelsorgsstunden, zu denen ich sehr gerne ging. Allerdings hatten wir dann, als ich 1943 in die Realschule Wien 14, Astgasse kam, einige Monate einmal w\u00f6chentlich am Nachmittag eine Religionsstunde. Sie wurde gehalten von einem damaligen Kaplan, dem sp\u00e4teren Wiener Domkapitular Pr\u00e4lat Koroschetz.<\/em><\/p>\n<p><em>Kaplan Dr. Maier hatte bereits 1940 erste Kontakte mit Widerstandsk\u00e4mpfern. Bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1944 hatte er Verbindungen mit deutschen Widerstandsgruppen und katholischen Gewerkschaftern wie Jakob Kaiser sowie zu christlich-sozialen Widerst\u00e4ndlern wie Felix Hurdes, dem sp\u00e4teren Nachkriegs-Unterrichtsminister, Lois Weinberger, dem Nachkriegs-\u00d6VP-Obmann von Wien, und auch zu Regimegegnern wie Adolf Sch\u00e4rf, dem Nachkriegs-Vizekanzler und Bundespr\u00e4sidenten, und Karl Seitz, der am Beginn der Republik \u00d6sterreich 1918 Parlamentspr\u00e4sident und danach langj\u00e4hriger B\u00fcrgermeister von Wien war. Zusammen mit dem Tiroler Widerstandsk\u00e4mpfer Walter Caldonazzi und Franz Josef Messner, dem Generaldirektor der Semperit-Werke von Traiskirchen, hat er die Widerstandsgruppe Maier-Messner-Caldonazzi gegr\u00fcndet. Mitglieder der Gruppe wurden von Leuten verraten, von NS-Leuten beobachtet und nach und nach verhaftet. Kaplan Maier wurde am 28. M\u00e4rz 1944 hier in der Kirche der Pfarre Gersthof nach einem Gottesdienst verhaftet und kam in Gestapohaft am Wiener Morzinplatz. Dort haben die Inhaftierten nach Berichten von \u00dcberlebenden, wie Pater Zeininger und der sp\u00e4tere Nachkriegs-Bundeskanzler Figl, Schreckliches an Verh\u00f6ren, an Folterungen und anderen Querelen in engen R\u00e4umen durchgemacht. Kaplan Maier wurde dort nach schrecklichen Verh\u00f6ren wegen &#8222;Vorbereitung zum Hochverrat&#8220; durch &#8222;Beteiligung an einem separatistischen Zusammenschluss&#8220; zum Tode verurteilt.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine von Maier damals verfasste Botschaft stellte fest: \u201aDas gemeinsame Leid hat die Gegens\u00e4tze im \u00f6sterreichischen Volke \u00fcberbr\u00fcckt. Die Parteien, ob rechts oder links, finden sich nun auf einer gemeinsamen Plattform. Sie bejahen das unabh\u00e4ngige, demokratische \u00d6sterreich. Wir sind bereit, in der Nachkriegszeit unseren Platz in der neugeordneten V\u00f6lkerfamilie Europas einzunehmen\u2018. Das sind gewichtige Feststellungen mit Blick auf die damals stark leidende Ostmark, wie \u00d6sterreich nun hie\u00df, mit Blick auf die Gegens\u00e4tze in der 1. Republik und dem Blick bereits nach vorne in ein vereintes Europa.<\/em><\/p>\n<p><em>Im November 1944 wurde Dr. Maier in das KZ Mauthausen verlegt, wo man ihn weiterhin \u00fcber den Widerstand befragte, er aber nichts verriet. &nbsp;Gnadengesuche f\u00fcr seine Entlassung aus der Haft von Kardinal Innitzer, vom Rektor der Wiener Universit\u00e4t und von seiner eigenen Mutter, blieben erfolglos. Ob Dr. Maier im KZ Mauthausen auch den zur Zwangsarbeit internierten franz\u00f6sischen Jung-KAJisten Marcel Callo kennen lernte, ist unbekannt. Callo starb am 19. M\u00e4rz 1945 an starker Entkr\u00e4ftung durch die Zwangsarbeit in den Gusener Stollen, die Drangsale und die geringe Nahrung. Am 18. M\u00e4rz 1945 wurde Dr. Maier nach Wien zur\u00fcckgebracht und am 22. M\u00e4rz 1945, am letzten Hinrichtungstag vor der Befreiung Wiens durch die Alliierten, im Landesgericht Wien 1 mit anderen Verurteilten durch das Fallbeil gek\u00f6pft. Der evangelische Pastor, der Kaplan Dr. Maier zum Fallbeil geleitete, berichtete bewegt, dass er mit den Worten starb: \u201eES LEBE CHRISTUS DER K\u00d6NIG! ES LEBE \u00d6STERREICH!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. Maier wurde mit den anderen damals Get\u00f6teten in einem Schachtgrab am Wiener Zentralfriedhof beerdigt, aber gleich nach Kriegsschluss im Mai 1945 wurde er von Freunden dort exhumiert und erhielt ein Ehrengrab im Friedhof in Neustift am Walde. 1949 wurde in Wien-P\u00f6tzleinsdorf die Dr. Heinrich Maier-Stra\u00dfe nach ihm benannt. 1988 wurde am Gersthofer Pfarrhaus eine Gedenktafel f\u00fcr ihn angebracht. Hans Schwabenicky schuf f\u00fcr die Gersthofer Kirche eine Holzskulptur &#8222;Der Kopflose&#8220;, der Komponist Gerald Spitzner, ein Gro\u00dfneffe, widmete ihm das &#8222;Heinrich-Maier Oratorium\u201c, das gewiss viele von euch kennen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. Maier hat viel zur \u00dcberbr\u00fcckung der politischen Gegens\u00e4tze in \u00d6sterreich und zur Bildung eines nachhaltigen \u00d6sterreich-Bewusstseins getan. Er war einer der nicht wenigen \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher, die sich gegen die Nazi-Herrschaft gestellt und daf\u00fcr ihr Leben eingesetzt haben. Von 1938 bis 1945 waren 724 \u00f6sterreichische Priester im Gef\u00e4ngnis. Von ihnen sind 7 in der Haft gestorben. 110 kamen in KZs, von ihnen sind 20 zugrunde gegangen, 15 wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. \u00dcber 300 Priester waren gau- oder landesverwiesen, \u00fcber mehr als 1500 waren Predigt- und Unterrichtsverbot verh\u00e4ngt worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. Heinrich Maier ist auch f\u00fcr uns heute ein Rufer und Mahner, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Er ist Symbol daf\u00fcr, dass das Gewissen die letzte entscheidende Instanz des Einzelnen f\u00fcr das eigene Handeln ist und erinnert an die \u00dcbernahme von Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben und die ihm anvertrauten Bereiche des sozialen Zusammenlebens. Das Gedenken an ihn erinnert uns an unsere Aufgabe, unseren Einsatz heute f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden und auch f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung zu verst\u00e4rken.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die \u00f6sterliche Bu\u00dfzeit \u2013 so schreibt Papst Franziskus in seiner diesj\u00e4hrigen Fasten-Botschaft \u2013 ist eine nachdr\u00fcckliche Einladung zur Umkehr an uns. Wir sollten die Wege der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit verlassen und uns ganz f\u00fcr Gott und die Mitmenschen einsetzen. Es ist eine Umkehr unter dem Segen und der Hilfe Gottes, wie es auch im Wirken und im Sterben von Kaplan Heinrich Maier sichtbar wurde. Sein Beispiel und unser Interesse f\u00fcr die Zeugen der NS-Zeit sind Zeichen der Hoffnung, dass nicht Ungerechtigkeit und Unterdr\u00fcckung, Terror und Krieg, Gleichg\u00fcltigkeit und Lieblosigkeit das letzte Wort haben; dass vielmehr die Liebe, und der selbstlose Einsatz f\u00fcr die anderen die st\u00e4rkere Kraft ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Schwestern und Br\u00fcder! Ich f\u00fchle, dass Kaplan Maier und viele andere damals Verurteilte, weil sie f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden waren, nicht in den Gr\u00e4bern schlafen, sondern von den Wohnungen Gottes in der Ewigkeit her \u00fcber uns wachen. Und nochmals zu Kaplan Dr. Maier: Er stirbt nicht, weil er in unserer Erinnerung bleibt. Amen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der damalige Gersthofer Kaplan Dr. Heinrich Maier wurde am 22. M\u00e4rz 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet, in unserer Pfarre gedenken wir dieses Ereignisses jedes Jahr. 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