{"id":5118,"date":"2018-02-27T09:05:51","date_gmt":"2018-02-27T08:05:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=5118"},"modified":"2018-12-13T12:21:47","modified_gmt":"2018-12-13T11:21:47","slug":"predigt-von-bischof-kraetzl-im-wortlaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2018\/02\/predigt-von-bischof-kraetzl-im-wortlaut\/","title":{"rendered":"Predigt von Bischof Kr\u00e4tzl im Wortlaut"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Bischof einer Di\u00f6zese hat regelm\u00e4\u00dfig seine Pfarre zu besuchen, zu visitieren. In der gro\u00dfen Erzdi\u00f6zese Wien wird diese Aufgabe von Erzbischof Kardinal Sch\u00f6nborn an seine Weihbisch\u00f6fe \u00fcbergeben, alle Pfarren des 18. Bezirks werden im Winter 2018 von Weihbischof Dr. Helmut Kr\u00e4tzl besucht.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5124 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406-150x100.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406-800x534.jpg 800w, https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/mwsat-20180225-IMG_9406.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Im Rahmen der Visitation der Pfarre Gersthof hat Weihbischof Kr\u00e4tzl am Sonntag, 25. Februar, im Gemeindegottesdienst in seiner Predigt die heutigen Herausforderungen einer Pfarre angesprochen, darunter den \u00dcbergang der Gemeinde von Gersthof in einen gemeinsamen Entwicklungsraum des 18. Bezirks. Hier ein Mitschnitt zum Nachh\u00f6ren und darunter der Wortlaut zum Nachlesen<\/em>.<\/p>\n<p><audio controls=\"controls\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_start\">\ufeff<\/span><source src=\"\/dokus\/20180225-VisitationsgottesdienstPredigtM.mp3\" type=\"audio\/mpeg\"><span style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" data-mce-type=\"bookmark\" class=\"mce_SELRES_end\">\ufeff<\/span><\/audio><\/p>\n<p>(Lesungen des 2. Fastensonntags in Lesejahr B: Brief an die R\u00f6mer 8,13b-34,&nbsp; Evangelium Markus 9, 2-10)<\/p>\n<p>Eine offizielle bisch\u00f6fliche Visitation regt dazu an, einmal den Blick in die Vergangenheit zu werfen, was in einer Pfarre entstanden ist und dann zu \u00fcberlegen, welche Herausforderungen die Zukunft bringt. Der Blick zur\u00fcck in der Pfarre Gersthof ist beeindruckend. Hier ist durch Jahrzehnte Gemeinde aufgebaut worden, auch im Geiste der Erneuerung durch das 2. Vat.Konzil. Und nun hat Norbert Rodt durch 42 Jahre mit gro\u00dfem Erfolg weitergebaut. Gersthof geh\u00f6rt sicher zu den lebendigsten Pfarren in der Gro\u00dfstadt Wien. Fast 100 Ministranten gibt es, viele Angebote f\u00fcr Kinder und Jugendliche, eine hochentwickelte Liturgie, 55 Gruppierungen, die ich auch in der n\u00e4chsten Woche eigens besuchen werde. \u00d6kumene ist zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden. All das kann man nur dankbar loben und sich mit allen, die mitgearbeitet haben, dar\u00fcber freuen. Nun aber geht es auch um einen Blick in die Zukunft. Ich m\u00f6chte einige Probleme nennen und Anregungen machen.<\/p>\n<p><strong>1. Die Weitergabe des Glaubens an die n\u00e4chste Generation.<\/strong><\/p>\n<p>Ein brennendes Problem in allen Pfarren. Selbst hier in der so lebendigen Pfarre merkt man, dass Jugendliche beim Schulwechsel oder auch sonst in den beginnenden Reifejahren sich von der Kirche distanzieren. Und doch geht es um den Glauben der Jugend, sie ist die Kirche von Morgen, sie bilden die kommenden Familien.<\/p>\n<p>Der Jugend in der Pfarre ein St\u00fcck Heimat zugeben.<\/p>\n<p>Die fr\u00fcheren Generationen, die heute noch in den Pfarrgemeinder\u00e4ten vertreten sind, erinnern sich oft, dass sie ihre Kinder- und Jugendzeit in der Pfarre verbracht haben, die ihr zur zweiten Heimat geworden ist. Was kann man heute anbieten, dass sich Jugendliche in der Pfarre \u201ezu Hause\u201c f\u00fchlen? R\u00e4ume schaffen, zu Aktionen anregen, ihnen die M\u00f6glichkeit geben, sich auch in das Pfarrleben kritisch einzumischen. Ein wohl wichtiger Schritt in die Pfarrgemeinde ist die Erstkommunion. Hier sollten die betroffenen Familien, aber die Pfarre selbst mit den Kindern neue Zug\u00e4nge zur Eucharistie finden.<br \/>\nDie Firmvorbereitung ist viel intensiver als fr\u00fcher. Nicht so sehr Wissensvermittlung, sondern vor allem das lebendige Zeugnis und Beispiel der Firmhelfer und -helferinnen soll die Jugend pr\u00e4gen. Aber auch hier ist der Anlass, ihnen aufgrund des nun pers\u00f6nlichen JA zur Taufe ihre Gliedschaft und Mitverantwortung in der Gemeinde deutlich zu machen.<\/p>\n<p><strong>2. Spirituelle Vertiefung von Liturgie und Eucharistie<\/strong><\/p>\n<p>Beispielhaft wird hier Liturgie vorbereitet. Die Rollenteilung bei der Gestaltung der Liturgie ist weit verbreitet. Auf die Wortverk\u00fcndigung wird gro\u00dfer Wert gelegt, die eigene Art der Kommunionspendung unter beiderlei Gestalten, sogar mit selbstgebackenem Brot will die Zeichenhaftigkeit dieses Mysteriums begreifbarer machen. Auf diese Weise wird Liturgie lebendig und in ihren Grundz\u00fcgen auch f\u00fcr viele Menschen verst\u00e4ndlicher.<br \/>\nDennoch ist das letzte Ziel der Liturgie die ganz pers\u00f6nliche Begegnung mit Gott durch Jesus Christus. Es ist sch\u00f6n, dass wir gerade heute das Evangelium vom Taborerlebnis h\u00f6rten. Jeus holt seine J\u00fcnger aus der M\u00fche des Alltags auf einen einsamen Berg, wo seine Menschlichkeit mit g\u00f6ttlicher Herrlichkeit \u00fcberstrahlt wird. Sie kennen ihn in seiner G\u00fcte und Wunderkraft. Nun h\u00f6ren sie \u201eDas ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe\u201c. Sie sind so beeindruckt von dieser Erscheinung, dass sie am liebsten dort ihre Wohnst\u00e4tte aufschlagen w\u00fcrden.<br \/>\nAuf die Eucharistie bezogen, w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass wir dann und wann so ein Taborerlebnis haben. Dass wir die Gegenwart des Herrn in der versammelten betenden Gemeinde sp\u00fcren und erleben. Dass sein Wort uns ganz zu Herzen geht und jeweils pers\u00f6nlich jeden von uns anruft. Dass im Augenblick des Kommunionsempfanges sich wahrhaft der Himmel \u00f6ffnet, \u201eDas ist mein geliebter Sohn\u201c. Ihr legt so viel Wert auf die Zeichenhaftigkeit des eucharistischen Mahles. Letztes Ziel aber m\u00fcsste sein, damit auch seiner Gegenwart n\u00e4her zu kommen. Ich denke jetzt an die Emmaus-J\u00fcnger, die dem Herrn unterwegs nicht erkannt haben, als er aber das Brot brach, inne wurden: \u201eDas ist der auferstandene Herr\u201c. Wie \u00fcberhaupt die Messe noch viel mehr als die Feier der Auferstehung und der wachsenden Sehnsucht auf seine Vereinigung bewusst wird, wie wir ja nach der Wandlung beten.<\/p>\n<p><strong>3. \u00d6kumene<\/strong><\/p>\n<p>Was das Konzil ganz im Geiste von Papst Johannes XXIII. an \u00d6ffnung zu den anderen christlichen Kirchen wollte, ist hier beispielhaft verwirklicht worden. Gegenseitige Achtung, gemeinsame Gottesdienste, sogar austauschbare Funktionen da und dort. Im vergangenen Jahr, als wir der Reformation vor 500 Jahren gedacht haben, ist uns vieles auch neuerdings zu Bewusstsein gekommen.<br \/>\nWas sollte heute Schwerpunkt der \u00d6kumene sein?<br \/>\nWir sollten voneinander lernen, was es hei\u00dft \u201eevangelisch zu leben\u201c. Das hei\u00dft, ganz nach dem Evangelium, schon wie Jesus es uns in Wort und Beispiel gezeigt hat. Sich ganz in die Spuren Jesu begeben und ihm nachzufolgen zu den Armen und Ausgesto\u00dfenen, den Obdachlosen und den Fl\u00fcchtlingen, vor allem auch ihm nachzufolgen auf dem ganz bewussten Weg hin zu Gott, seinem und unserem Vater. Evangelisch leben, wir k\u00f6nnten in der \u00d6kumene viel voneinander lernen.<br \/>\nEin Zweites, dass wir gerade in der Begegnung mit den anderen Religionen und einer immer s\u00e4kularer werdenden Gesellschaft ein gemeinsames Zeugnis f\u00fcr Christus ablegen. Was uns eint, ist das Bekenntnis zu Christus und in dem m\u00fcssen wir uns gegenseitig neu herausfordem und immer wieder neue Formen suchen.<br \/>\nIn der Lesung aus dem R\u00f6merbrief h\u00f6rten wir von einem Gott, der ganz f\u00fcr uns da ist. Wenn Gott f\u00fcr uns ist, wer ist dann gegen uns? Aber ein Gott, der uns auch erw\u00e4hlt hat. Erw\u00e4hlt in Jesus Christus. Und das trifft uns Katholiken genauso wie getaufte Christen in den anderen Konfessionen.<br \/>\nErw\u00e4hlt wozu?<br \/>\nEiner s\u00e4kularen Welt aber sollten wir ein Beispiel geben, dass gl\u00e4ubig leben nicht eine Flucht aus dieser Welt ist, sondern vielmehr eine Kraft, diese Welt zu ver\u00e4ndern, zu einer Gemeinschaft zu machen, die allein von menschlicher \u00dcberlegung nicht zustande kommen kann.<\/p>\n<p><strong>4. Die gro\u00dfe Zahl derer, die die Kirche verlassen haben und sich als ungl\u00e4ubig bekennen<\/strong><\/p>\n<p>Es dr\u00e4ngt danach, gerade mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Was hat sie veranlasst sich von der Kirche zu trennen? Was ist es, an das sie sich im Leben letztlich halten, in Freude und Leid, vor allem aber auch im Hinblick auf den Tod? Woran glauben die, die nicht glauben, so hei\u00dft ein Buchtitel. Ist nicht in jedem Menschen die gro\u00dfe Sehnsucht da, dass es nach diesem Leben etwas gibt, damit das Kostbare nicht verloren geht und das Bruchst\u00fcckhafte endlich zur Vollendung kommt. Das Gespr\u00e4ch mit den Fernstehenden, mit Agnostikern und Atheisten k\u00f6nnte uns eine neue Sprache lehren, aber auch ein Verst\u00e4ndnis geben, was Menschen bei der Suche nach letztem Sinn wirklich umtreibt. Vielleicht bleiben wir ihnen in der Kirche viele Antworten schuldig.<\/p>\n<p><strong>5. Die gemeinsame Verantwortung im Entwicklungsraum<\/strong><\/p>\n<p>Die Pfarre Gersthof ist in Gefahr in ihrer gro\u00dfen Selbst\u00e4ndigkeit sich selbst zu gen\u00fcgen. Wie immer die kommenden Strukturen sich ver\u00e4ndern werden, im Dekanat und dar\u00fcber hinaus, gilt es zwei Dinge zu beachten:<br \/>\nErstens einmal, sich seiner eigenen Identit\u00e4t bewusst zu werden und bereit zu sein, das was sie hier erf\u00fcllt, mit anderen Pfarren zu teilen. Das hei\u00dft nicht Aufgabe der eigenen Pfarre, sondern sich der Eigenheit bewusst werden, weil man nur dann mit anderen teilen kann.<br \/>\nEin Zweites aber ist, dass man bei allem Stolz auf das Gelungene doch schaut, was in anderen Pfarren geschehen und gewachsen ist, was auch in Gersthof vielleicht zu wenig beachtet wurde. Schlie\u00dflich voneinander zu lernen.<br \/>\nAm Ende aber w\u00e4re die Zusammenarbeit der Pfarren so wichtig, um sich Mut zu machen, sich im wahrsten Sinn des Wortes \u201epolitisch\u201c in das Geschehen dieser Stadt einzumischen. Gemeint ist nicht Parteipolitik. Gemeint ist eine Gesinnung zu verbreuten, die aus der Nachfolge Jesu kommt.<br \/>\nReligion darf nie Privatsache sein. Sie ist eine wesentliche Kraft menschlichen Zusammenlebens.<\/p>\n<p>Die noch nicht ganz gewisse Zukunft neuer Strukturen macht manchem Angst. Sie soll aber vielmehr Herausforderung sein, selbst mitzudenken, was noch besser gemeinsam geschehen kann. Visitation gerade in dieser Zeit des Umbruches soll Mut machen, mit der ganzen Di\u00f6zese zu einem gr\u00f6\u00dferen Miteinander bereit zu sein. In den n\u00e4chsten Jahren wird sich so manches \u00e4ndern. Strukturell und damit auch personell. Aber immer ist es Gott, der uns f\u00fchrt. Der <em>Gott f\u00fcr uns<\/em>, wie uns Paulus im R\u00f6merbrief gezeigt hat. Gerade eine Pfarre mit seiner gro\u00dfen Vergangenheit ist herausgefordert, alle Erfahrung und Kr\u00e4fte vor allem, aber auch ihre Jugend einzusetzen f\u00fcr eine neue Gestaltung hier im Dekanat. Die innere Gr\u00f6\u00dfe der Pfarre wird sich letztlich dabei erweisen, wie sie gewisserma\u00dfen selbstlos zu Neuerungen bereit ist, sie mitgestaltet und auch mutig die Verantwortung in die H\u00e4nde der j\u00fcngeren Generation \u00fcbergibt.<\/p>\n<p>Den Segen Gottes daf\u00fcr erbitte ich und wie ich hoffe gemeinsam mit ihnen allen, heute am Tage der Visitation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bischof einer Di\u00f6zese hat regelm\u00e4\u00dfig seine Pfarre zu besuchen, zu visitieren. In der gro\u00dfen Erzdi\u00f6zese Wien wird diese Aufgabe von Erzbischof Kardinal Sch\u00f6nborn an seine Weihbisch\u00f6fe \u00fcbergeben, alle Pfarren des 18. Bezirks werden im Winter 2018 von Weihbischof Dr. Helmut Kr\u00e4tzl besucht. 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