{"id":8133,"date":"2020-11-28T17:01:40","date_gmt":"2020-11-28T16:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/?p=8133"},"modified":"2021-01-03T16:33:15","modified_gmt":"2021-01-03T15:33:15","slug":"der-herr-ist-auch-in-diesem-dunkel-mit-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/2020\/11\/der-herr-ist-auch-in-diesem-dunkel-mit-uns\/","title":{"rendered":"&#8222;Der Herr ist auch in diesem Dunkel mit uns&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Erzbischof Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn hat zum Beginn des Advent einen Brief an alle Menschen der Erzdi\u00f6zese Wien gerichtet. Darin spricht er das Gemeinsame von Advent und der bedr\u00e4ngenden Situation des Coronavirus: wir warten, dass es wieder hell wird. Hier finden Sie den Text des Briefes.<\/p>\n<hr>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Mitbr\u00fcder!<\/p>\n<p>In den letzten Wochen haben Sie oft von unserem Krisenstab Infomails bekommen. Der Anfang des neuen Kirchenjahres mit dem ersten Adventsonntag gibt mir Gelegenheit, dem Krisenstab f\u00fcr seine oft m\u00fchevolle Arbeit herzlich zu danken und Ihnen allen ebenso, die sie die Last der Umsetzung in die Praxis geduldig, vielleicht manchmal auch murrend, aber im Sinne der Solidarit\u00e4t mittragen. Heute aber soll es nicht nur um die vielen praktischen Fragen gehen. Ich m\u00f6chte Ihnen einige einfache Gedanken zur adventlichen Grundhaltung zukommen lassen, zum Warten und Hoffen.<\/p>\n<p>Warten \u2013 wir erleben dieses gro\u00dfe, zentrale Thema des Advents heuer in einer unerwarteten, ungewohnten, bedr\u00e4ngenden Art und Weise. Wir warten als Gesellschaft auf ein Heilmittel gegen Corona, wir warten, wie sich die von der Regierung gesetzten Ma\u00dfnahmen auswirken, wir warten, dass die Zahl der Ansteckungen, die Zahl der Intensivpatienten zur\u00fcckgehen. Wir warten in verordneter Quarant\u00e4ne, ob wir uns angesteckt haben. Wir warten nach Testung auf das hoffentlich negative Testergebnis. Wir warten, wenn ein Familienangeh\u00f6riger, ein naher Freund, eine Freundin, krank geworden ist, darauf, dass es ihm, ihr besser geht. Wir warten darauf, was Corona mit der wirtschaftlichen Situation dieser Welt macht, wie es mit Arbeitspl\u00e4tzen im kommenden Jahr weitergehen wird. Wir warten darauf, dass Gemeindeleben endlich wieder \u201enormal\u201c ablaufen kann.<\/p>\n<p>Wir warten und wir hoffen. Hoffen, uns nicht angesteckt zu haben, hoffen auf ein negatives Testergebnis, hoffen auf Genesung, hoffen auf die schnelle Entwicklung eines wirksamen Medikamentes, hoffen, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren, hoffen, halbwegs unbeschadet durch die Krise zu kommen. Hoffen, dass es besser wird. Hoffen, dass alles wieder gut wird.<\/p>\n<p>Eigenartigerweise tragen wir dieses Hoffen, oft gegen jede Hoffnung tief in uns. Ein Hoffen, das uns Kraft gibt, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen. Viele von uns haben dieses Hoffen als Kind gelernt, in der Umarmung unserer Eltern, wenn etwas Schlimmes geschehen ist und sie gesagt haben: \u201eEs wird alles gut\u201c. Wir haben Lebenskrisen durchstanden, weil \u201ees weitergeht\u201c. Als Glaubende haben wir vielleicht schon erfahren, dass dieses \u201eEs\u201c einen Namen hat, sodass wir sagen k\u00f6nnen: \u201eEr\u201c hat alles gut gemacht und \u201eEr\u201c geht weiter mit uns. Er hat alles gut gemacht. Mit diesem Loblied beginnt ja die Bibel. Der Refrain dieses Liedes lautet: Er sah, dass es gut, sehr gut war. Die ersten Worte Gottes an Abram sind \u201eGeh\u201c, verbunden mit einer zugesagten Hoffnung, ja einer Verhei\u00dfung. Verbunden letztlich mit der Verhei\u00dfung Gottes, mit Abram und seinen Nachkommen unterwegs zu sein. Er geht mit uns.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das, Gott ist gerade in dieser Zeit mit uns unterwegs? Gerade dann, wenn wir die gewohnten Formen dieses Unterwegs-Seins in unseren Pfarren und Gemeinschaften nicht oder nur in sehr eingeschr\u00e4nkter Form feiern bzw. erleben k\u00f6nnen? \u201eAuch im Dunkel bist du zugegen\u201c, betet der Psalmist. Kann uns diese Zeit helfen, Gott im Ungewohnten, im Bedr\u00e4ngenden, in der Einsamkeit, im Dunkel zu entdecken? Etwa im vielleicht ungewohnten gemeinsamen Gebet zu Hause, im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch \u00fcber Telefon oder Videochat? In der ganz reduzierten, schlichten Messfeier? Im Mitfeiern der Messe \u00fcber Radio, Fernsehen oder Livestream? Im erneuten Entdecken, wie wichtig und wertvoll uns Freunde, Freundinnen und Verwandte und die Begegnung mit ihnen ist, genau deshalb, weil sie uns jetzt abgeht. Im Erahnen dessen, was im Leben wirklich wichtig ist und tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Corona hat uns in vielen Bereichen unserer Gesellschaft aus den gewohnten Lebensbahnen gerissen. Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass der Herr auch und genau in diesem Dunkel mit uns ist, mit uns geht. In unserer Hoffnung, die uns sagt: Es wird wieder gut, in der Erfahrung jedes Schrittes, den er mit uns tut, in den ver\u00e4nderten Lebensperspektiven, vor denen wir stehen. Es braucht Zeit, bis sich die Augen an das Dunkel gew\u00f6hnen. \u201eAuch im Dunkel bist du zugegen\u201c. Sogar im Todesdunkel, k\u00f6nnen wir aus der Ostererfahrung hinzuf\u00fcgen. In einer Zeit der Dunkelheit betet Dietrich Bonhoeffer:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen, <br>erwarten wir getrost, was kommen mag. <br>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen <br>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Gewissheit w\u00fcnsche ich Ihnen in dieser Adventzeit des Wartens und des Hoffens auf das Kommen Jesu Christi in diese unsere, Seine Welt, in der heiligen Weihnacht.<\/p>\n<p>Mit herzlichen Segensw\u00fcnschen<br>Ihr<br><em><span style=\"color: #3366ff;\">Christoph Kard. Sch\u00f6nborn<\/span><\/em><\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen Sie den Brief in Form einer PDF-Datei herunterladen: <a href=\"https:\/\/www.pfarregersthof.at\/komm\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/EB-Kard-Schoenborn_Adventbrief_2020.pdf\">Kardinal Sch\u00f6nborn Adventbrief 2020<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erzbischof Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn hat zum Beginn des Advent einen Brief an alle Menschen der Erzdi\u00f6zese Wien gerichtet. Darin spricht er das Gemeinsame von Advent und der bedr\u00e4ngenden Situation des Coronavirus: wir warten, dass es wieder hell wird. Hier finden Sie den Text des Briefes. 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