Lesung: Gal 4, 4-7
Evangelium: LK 2,16-21
Frieden
Kaum ein Fest ist mit so hohen Erwartungen aufgeladen wie das Weihnachtsfest. Erwartungen an ein harmonisches Fest im Kreise der Familie. Und wir erleben, wie zerbrechlich dieser Friede ist. Selbst die Friedenskerze ist unbeabsichtigt umgefallen und wird zum Symbol für diese Zerbrechlichkeit. Aber auch das Kind in der Krippe, der kleine Friedensfürst ist mit einer ‚unglaublichen‘ Erwartung aufgeladen. Der Messias werde einst den Erdkreis befrieden/erlösen.
Zu Jahresbeginn feiert die katholische Kirche den Weltfriedenstag und rückt somit noch einmal die zentrale Botschaft des Weihnachtstags, die, die Engeln den Hirten verkünden ins Zentrum „Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“
Die Erwartungen nach echten Frieden sind hoch. Die Menschheit sehnt sich danach, wie es Jesaja formuliert und wie es kaum schöner ausgedrückt werden kann:
»Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des Herrn« (Jes 2,4-5).
Ich habe mich auf die Suche gemacht und verschiedene Hinweise gesucht, wie das Gesetz des Stärkeren, das unsere Welt zu bestimmen scheint aufgeweicht werden kann.
- Fündig geworden bin ich bei Mahatma Ghandi der die Rache eingrenzt, wenn er biblisch inspiriert sagt: „Auge um Auge führt nur dazu, dass die ganze Welt erblindet.“
- Eindeutig bringt Berta von Suttner die Abgrenzung zur Rache als Irrweg zum Ausdruck: “Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegputzen zu wollen – nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.”
Der Galaterbrief, den wir heute gehört haben gibt uns einen Hinweis darauf welche Weise Jesus frieden schafft:
- ‚Gott sandte uns seinen Sohn. Damit er uns alle, die wir Gefangene des Gesetzes waren, befreie. Und so hat er den Weg dafür bereitet, dass Gott uns als seine eigenen Töchter und Söhne annehmen konnte. Weil ihr nun Söhne und Töchter seid, schickte uns Gott den Geist seines Sohnes ins Herz, der ruft: „Abba, lieber Vater.“‘
Der Galaterbrief ist ein Dokument einer grenzüberschreitenden, solidarischen Glaubenspraxis, die sich im Angesicht globaler Herrschafts- und Gewaltordnungen das Vertrauen auf eine „andere Welt“ nicht ausreden lässt. Es geht um einen Glauben, der sich verweigert, wenn im Namen Gottes die Götzen des Imperiums und die Mächte und Gewalten der Welt angebetet werden.
- Der Weg Jesu führt schließlich, über die Entfeindungsliebe zur Lebenshingabe um die Gewalten und Mächte aufzudecken, die sich dem Gesetz des Stärkeren hingeben. In den Passionsgeschichten entlarvt er für den aufmerksamen Leser, die aufmerksame Leserin den Sündenbockmechanismus.
- Dietrich Bonhoeffer, der ähnlich wie Heinrich Maier im Kriegszustand lebte reflektiert auf den Frieden Christi und führt uns den IRRWEG der Sicherheit vor Augen:
Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit.
Denn der Friede muß gewagt werden. Friede ist das
Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Mißtrauen
haben, und dieses Mißtrauen gebiert wiederum Krieg.
Sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen.
Friede heißt sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes, keine Sicherung
wollen, sondern in Glauben und Gehorsam dem allmächtigen
Gott die Geschichte der Völker in die Hand legen.
- In dieselbe Kerbe schlägt auch Papst Leo in seiner Friedensbotschaft zum heutigen Weltfriedenstag: Echte Friedensbemühungen setzen voraus, dass an die Stelle des obersten Gesetzes, worauf der Friede sich heute stützt, ein ganz anderes Gesetz trete, wonach der wahre Friede unter den Völkern nicht durch die Gleichheit der militärischen Rüstung, sondern nur durch gegenseitiges Vertrauen fest und sicher bestehen kann.
- Papst Franziskus stellt uns in seiner Weise in der Enzyklika Fratelli tutti den heiligen Franz von Assisi zu seiner Zeit als Beispiel für einen Friedensstifter vor: »In jener Welt voller Wachtürme und Verteidigungsmauern erlebten die Städte blutige Kriege zwischen mächtigen Familien, während die Elendsviertel der Ausgestoßenen an den Rändern wuchsen. Dort empfing Franziskus innerlich den wahren Frieden, (in der Begegnung mit den Armen) er befreite sich von jedem Verlangen, andere zu beherrschen, er wurde einer der Geringsten und versuchte in Harmonie mit ihnen zu leben.«
- Von niemanden wurde diese Franziskanische Lebensweise so pointiert ausgedrückt wie von Simone Weil. ‚Der Held rüstet sich, der Heilige geht nackt‘
So ungeschützt, auf Hilfe angewiesen und zugleich entwaffnend wie das Jesus-Kind in der Krippe daliegt- so beginnt sich die PAX CHRISTI am Rande des Römischen Imperiums, der trügerischen PAX ROMANA seinen Weg durch die Geschichte zu bahnen. An seinem Lebensweg können wir den wahren Frieden erkennen.
Ich kenne Menschen, über deren Gesicht geht bisweilen ein Leuchten. Sie sehen mich an, sie lachen mich an, ich fühle mich wohl und vor allem angenommen. Im Kind in der Krippe schaut uns Gott an und strahlt über das ganze Gesicht, wie uns der Anblick eines Babys berührt und uns warm ums Herz werden lässt. Gott sieht uns wohlwollend an. Er ist um uns Menschen besorgt, um das Glücken unseres Lebens. Darin leuchtet der Friede auf in unserer Mitte.
Warum wurde Gott Mensch?
Für diese Erde ohne Licht
wird der Herr geboren.
Um die Finsternis zu besiegen,
wird der Herr geboren.
Um unsere Welt zu verändern,
wird der Herr alle Tage geboren.
Um die Freiheit zu bringen,
wird der Herr geboren.
Um von jeder Form der Knechtschaft zu befreien,
wird der Herr geborgen,
Um Frieden zu bringen,
wird der Herr geboren…“
Kurt Marti: Vamos Caminando, Peru 1977, Seite 48f.

