Predigt im Rahmes der Wort-Gottes-Feier um 10 Uhr
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
die heutigen Schriftlesungen zeigen uns, dass das Evangelium Konsequenzen in unserem Leben haben soll. Christ werden ist ein lebenslanger Prozess, bei dem wir lernen sollen nicht nur für uns selbst, sondern für andere zu leben.
In der 1. Lesung fordert der Prophet die Gemeinde, die aus dem Exil zurückgekehrt ist, auf sich ganz konkret um Bedürftige zu kümmern. Anstatt sich auf Opferrituale zu verlassen, sollen sie an Hungrige Brot austeilen, Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, und sich den Verwandten nicht entziehen. Diese Aufforderungen lassen sich sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinn verstehen.
Hunger zu stillen, bedeutet neben physischen Hunger, eben auch Zuwendung, Wertschätzung, Ermutigung zu schenken.
Obdachlose aufzunehmen kann auch bedeuten eine andere Denkweise nicht von vornherein abzulehnen, Verschiedenheit gelten zu lassen und zu tolerieren.
Nackte zu bekleiden kann auch heißen jemanden nicht bloßzustellen, jemandem Besserung zuzutrauen, jemandem Schutz zu bieten.
Beziehungen mit Verwandten zu verbessern, kann weitere Kreise ziehen bis hin zur Pflege besserer Beziehungen in der Nachbarschaft und mit Neuzugezogenen und Fremden.
Das heutige Evangelium stammt aus der Bergpredigt bei Matthäus und folgt unmittelbar auf die Seligpreisungen, die wir letzten Sonntag gehört haben. Jesus spricht uns direkt an und macht zwei Zusagen:
„Ihr seid das Salz, das die Welt vor Fäulnis bewahrt und dem Leben Würze verleiht.“
„Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt.“
Was meint er damit? Salz war in einer Zeit bevor es Kühlschränke gab ein ganz wichtiges Mittel um Speisen zu konservieren und bis heute ist es beim Würzen von Speisen unerlässlich. Selbst in geringen Mengen hebt es den Eigengeschmack von Lebensmitteln hervor. Jesus traut uns also zu, durch unser Handeln das Leben für andere schmackhafter zu machen. Wenn wir wie Salz wirken sollen, kommt es auf das richtige Maß an. Oft braucht es nicht viel, es kann im Kleinen, im Verborgenen geschehen. Es gibt viele kleine Taten und kleine Worte, die das Leben schmackhafter machen und anderen Hoffnung schenken. So kann durch unser Tun Veränderung geschehen.
Das Bild vom Licht ist für uns vielleicht noch anschaulicher. Die Dunkelheit, die uns oft umgibt, verlangt ein vielfältiges Engagement. Wenn Menschen einsam, krank oder arbeitslos sind, sind wir aufgerufen, ihnen zuzuhören, um ihr Leben zu erhellen. Lichtbringer für andere zu werden, kann bedeuten sie zu ermutigen, sie aufzurichten und ihnen Halt und Orientierung zu geben.
Wir fühlen uns vielleicht überfordert und trauen uns das gar nicht zu. In der 2. Lesung erinnert uns Paulus daran, dass wir – wie er – schwach und ängstlich sind, aber dass es darauf nicht ankommt. Nicht auf unsere menschliche Kraft kommt es an, sondern auf den Geist Gottes, der in uns wirkt. „Euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft!“ (1 Kor 2,5). Mit dieser Kraft können wir allmählich hineinwachsen in die Zusagen Jesu. Aus der Gabe der Taufe – aus dem Geschenk des Hl. Geistes – erwächst für uns die Aufgabe „Salz“ und „Licht“ zu sein.
Wir werden wahrscheinlich immer wieder „schal schmecken“ und unser Licht unter den Scheffel stellen.
Aber die Zusage Jesu gilt immer wieder neu. Er traut dir und mir zu, für andere Menschen „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu werden. Er hat uns das vorgelebt und gezeigt, in seinem unermüdlichen Einsatz für schwache, ausgegrenzte, arme Menschen. Gehen wir in seiner Spur und versuchen wir ihm nachzufolgen. Er traut uns das zu – also trauen wir uns!
Professor Paul Zulehner spricht davon, dass „Wir – WIR ALLE – das 5. Evangelium sein sollen“ – das heißt, dass die Botschaft Jesu in uns allen sichtbar werden soll. Wie wir unser Leben gestalten – unser Sein und Handeln – soll unseren Glauben reflektieren. Menschen sollen spüren wie sehr uns Jesus erfüllt. Wie Augustinus es ausgedrückt hat: „Nur wer innerlich brennt, kann leuchten!“

