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Geschichte der Pfarre

Geschichte der Pfarre Gersthof

Die Pfarre Gersthof, gegründet vor mehr als 250 Jahren im Wein- und Milchbauerndorf Gersthof, wurde nicht „von oben“ geschaffen, sondern von einem Laien „ins Dorf“ geholt:

Matthäus Lydl von Schwanau kehrt nach langer Tätigkeit als Hofkriegsrat in sein Gersthofer Geburtshaus zurück, lässt da eine Kapelle errichten, die allen Dorfbewohnern zugute kommen soll und benennt sie nach dem hl. Johannes Nepomuk (Bauzeit 1736-37, Weihe 1739). Mit seiner Lebenserfahrung sorgt er auch für die wirtschaftliche Absicherung der Kapelle und ist in ihr begraben.

Leider fiel die wirtschaftliche Absicherung den Folgen des Siebenjährigen Kriegs zum Opfer. Auch die Erhebung zur Pfarre 1783 unter Josef II. half nichts,  die Inflation machte dem Stiftungskapital beinahe den Garaus. Der damalige Pfarrer litt so bittere Not, dass er um Versetzung ansuchte. Die Pfarre war zwei Jahre verwaist. Doch als es im 19. Jahrhundert so manche Schwierigkeit gab, ging der „Geist des frommen Stifters“ auf die Gemeinde über und sie half zusammen, ihre Pfarre zu erhalten.

Im Zuge der „Cottage-Mode“ in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nahm Gersthof sprunghaft an Bewohnern zu.  Und die Kapelle wurde zu klein. Erweiterungspläne für sie erwiesen sich zum Glück nicht als zielführend und so entstand der Plan, eine neue große Pfarrkirche zu bauen. Da kam der neue Pfarrer Dr. Ignaz Winkelmayer 1884 gerade recht.

1885 gründete er einen Kirchenbauverein und verfügt bereits nach zwei Jahren über genügend Geldmittelfür den Baubeginn (Grundsteinlegung 11. September 1887 durch Erzbischof Ganglbauer)

Den Bauplatz (teilweise der alte, aufgelassene Friedhof Gersthof) schenken die Gemeinde Gersthof und der Großgrundbesitzer Albert Dub mit der Widmung, den nicht für den Kirchenbau benötigten Teil „zur Verschönerung von Gersthof als öffentliche Parkanlage zu verwenden“. Als Pfarrpatron wird nicht Johannes Nepomuk, sondern der hl. Leopold gewählt.

Die feierliche Kirchweihe findet am 15. November 1891 statt, die Brautmutter Anna Holaubek spendete aus diesem Anlaß die neue „prachtvolle Turmuhr“. Und seit 1899 ist sie auch rechtlich „Pfarrkirche“.

Trotzdem sowohl das Gebäude als auch „Innerkirchliches“ Pfarrer Winkelmayer auch Sorgen bereitete, erwies sich schon damals Gersthof als lebendige Gemeinde, als er 1915, 72-jährig, noch im aktiven Dienst stehend von seinem Herrn heimgerufen wurde.

Sein Nachfolger, Pfarrer Dr. Ignaz Wenzl, Pfarrer bis 1934, musste am Tage seiner Antrittspredigt (29. November 1916) bereits eine Kriegsandacht für die Gefallenen der Pfarre halten. Und die Glocken müssen gerade zum 25-jährigen Pfarrjubiläum „dem Vaterlande geopfert“ werden. Ab 1920 gab es auch den Pfarrcaritasausschuss, der, besonders in den Dreißigerjahren nach der großen Weltwirtschaftskrise, mit der verbreiteten Arbeitslosigkeit vielfache Not zu lindern hatte.

Nach dem ersten Weltkrieg konnte der Klosterneuburger Chorherr Pius Parsch Pfarrer Wenzl gewinnen, seine neue Idee einer volksliturgischen Gemeinschaftsmesse in Gersthof vorzustellen, erstmals zu Pfingsten 1923.

Seit 1924 gab es wieder neue Glocken, 1930 wird in der Thimiggasse ein eigenes Pfarrgemeinschaftshaus gekauft, in dem auch Theater gespielt werden kann. 1933 weiht Kardinal Innitzer die neue Orgel (vom Kirchenchor „ersungen durch Kirchenkonzerte und Aufführungen“). Und es gibt gutes Vereinsleben in der Pfarre.

Die Vereine werden aber 1938 großteils aufgelöst, die Pfarrchronik berichtet von gewaltigen Einbußen des religiösen Lebens, einer vorübergehenden Besetzung des Pfarrheims und einer großen Austrittswelle. Doch in dieser Gemeinde lebte auch ein religiös motivierter innerer Widerstand, der junge Menschen zur Gemeinschaft wachsen ließ und sie bereit machte, für „Christus den König“ Risiko auf sich zu nehmen, Zeugnis für den Glauben abzulegen und dafür alles bis hin zum Tod auf sich zu nehmen. Und am Sylvestertag 1941 müssen die Glocken erneut abgeliefert werden. Pfarrer Ferdinand Haas (1934-1951) hat fürwahr schwere Zeiten erlebt:

In der Kirche von Gersthof hat Kaplan Dr. Heinrich Maier seine letzte Messe im Beisein der Schergen zelebriert – in einer furchtbar wörtlichen Gemeinschaft mit seinem Herrn des Letzten Mahls – und wurde von da zum Tode am Schafott geführt.

Oder den Tod Imma von Loebensteins, einer Krankenschwester im Rudolfinerhaus.

Der Zweite Weltkrieg brachte schweres Leid über viele Familien, er hinterließ Tod und Not, die man meistern musste. Viele Zeitzeugen leben noch und berichten von Menschen, die auch in dieser Zeit ihr Christentum bewiesen. Als einer von vielen sei hier Leopold Rosenmayr genannt, ein „Ur-Gersthofer“: Lektor in den Messen von Pius Parsch, „Milchbauer“ nach dem Krieg, „Kämpfer“ für den Gersthofer Friedhof, Bezirksrat in Währing,…

Am 4. Mai 1952 wurden unsere heutigen Glocken zum erstenmal wieder angeläutet. Unser „heutiges Leben“ beginnt:

Der Pfarrkindergarten etwa; er ist ein „Lebens-Ort“: Aus einer Kinderausspeisungsstelle  nach dem Zweiten Weltkrieg wird ein Kindergarten, zuerst nur an einem Ort, in der Wallrissstrasse 45. 1981 kamen als zweiter Standort Gruppen in der Gersthoferstraße 107 dazu an dem ab 1996 ein Hort für 6-14-jährige geführt wurde, dieser Standort wurde allerdings 2009 wieder geschlossen. Im Kindergarten wird Montessori-Pädagogik gepflegt, Impulse zur Kreativität werden gesetzt.

Oder die Johanniter-Unfallhilfe: mit ihrer Zentrale in der Herbeckstraße 39 bestehen ausgezeichnete ökumenische Kontakte.

Und vieles mehr: Sehen Sie dazu bitte die anderen Seiten über die aktuellen Aktivitäten !

Seit 1976 leitet Pfarrer Dr. Norbert Rodt die Geschicke der Pfarre. Mit dem Ziel, die lebendige Gemeinde und Gemeinschaft zu erhalten, zu fördern, auch neuen Herausforderungen anzupassen.

(Große Teile dieser Chronik stammen aus: T. Rauch, Unser Währing, 34. Jg, 3. Heft, 1999)