Weihnachtspredigt 2016

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Von Pfarrer Dr. Norbert Rodt in der Weihnachtsmette, 25.12.2016

Wer im Internet „Weihnachten 2016“ eingibt, findet ausschließlich touristische Angebote. Nirgends ein Hinweis auf den wirklichen Schatz des schönsten Festes der Christenheit, den eigentlich jeder und jede „heben“ kann! Ein Schatz, der so wertvoll ist, dass gläubige Menschen ihr Leben einsetzen, sogar total „hingeben.“
I.
Allerdings leben wir in einer Zeit, in der die Kirchen wie lange nicht gefordert und aufgerufen sind, Antworten auf drängende Fragen zu geben oder zumindest beim Buchstabieren dieser Fragen und Antworten einen Beitrag leisten. In Europa mag die Bedeutung der Religionen zurückgegangen, die Zahl der Kirchenaustritte gestiegen sein, doch weltweit gesehen spielen Religionen heute eine nach wie vor sehr große Rolle. Auch in unserer Konsumgesellschaft, in der viele Menschen nach Jahren der Krise vom blinden Wirtschaftsglauben ernüchtert sind, steigt vielerorts wieder die Sehnsucht nach Werten, nach Orientierung , nach Sinn.“ (Michael Landau, Solidarität, S. 173)

II.
Weihnachten – jährlich „als Fest“ angeboten – bietet Orientierung, Sinnfindung und Wert – Erfahrung an:

II/1 – Klassisch gesagt und traditionell geglaubt : In Jesus wird der ewige Gott ein sterblicher Mensch. Allmacht tauscht er gegen Ohnmacht. Sein vermeintliches Scheitern am Kreuz wird zum endgültigen Triumph. Was wie ein Widerspruch erscheint, offenbart eine tiefgründige Wahrheit. Viele stellen sich Gott ja allmächtig und allgewaltig vor. Aber erst in seiner Schwachheit zeigt er seine ganze Liebe Denn die „Schwachheit Gottes ist stärker , als die Menschen sind“ (1Kor 1,25).
Liebe setzt nicht auf Macht , sondern auf Hingabe. Und am Ende wird uns einer helfen, der nicht unberührt über allem steht, sondern der sich ganz auf uns einlässt: Jesus (P.Klaus Jürgen – Diehl /Wetter, BRD)

II/2 – Modern herausfordernd formuliert: Jesus geboren in einer Außenseiterfamilie, zur Welt gekommen in einem Notquartier, als Kleinkind zur Flucht gezwungen, mit Anfang Dreißig eine Karriere, die ganz schnell scheitert – und schließlich unschuldig zum Verbrecher gestempelt und getötet.(Dr. Wolfgang Kimmel, Pfr.in Dornbach in : katholisch in Hernals Orientierung für Zeitgenossen, Winter 2016, S.3)

II/3 – kritisch hinterfragt : es handelt sich um die Menschwerdung Gottes, welche wir zu Weihnachten feiern. Es ist ein einmaliges Privileg an einen Gott glauben zu dürfen, welcher einer von uns geworden ist. Das gibt es in dieser Form in keiner anderen Religion.

III.
Tatsächlich: keine andere Religion kennt diese Wahrheit als Geheimnis! Die Wirtschaft hat früher den Ausdruck verwendet: Konkurrenzbeobachtung. So gesehen ist der christliche Glaube konkurrenzlos! Aber eine Partnerbegutachtung hat im 2.vatikan.Konzil stattgefunden: in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht christlichen Religionen heißt es (Nr.3)
Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat. Jesus, den sie nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria.
Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Medidation oder liebend – vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage.
In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.
So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschieden Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Weihnachten : „das schönste Fest“, das einmalige aller Christen, das erschütternde Fest: Der in Liebe grenzenlose Gott wird in einem Menschen begrenzte Existenz, angreifbar, verletzbar, im Tod endlich.
Diese Weihnachts – und Osterbotschaft müssen wir mit vielen, mit allen Menschen „guten Willens“ teilen!

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