Jahresschluss mit Dr. Claus Raidl

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Wie in den vergangenen Jahren wurde im Jahresschlussgottesdienst am Silvestertag, 31.12., auf wesentliche Ereignisse des auslaufenden Jahres und auf die konkrete Statistik unserer Pfarrgemeinde geschaut. Und es wurde ein besonderer Gast von Pfarrer Norbert für die Ansprache eingeladen: Dr. Claus Raidl, Bank und Industriemanager und zuletzt Präsident der Oesterreichischen Nationalbank.

Der rote Faden seiner auf historischen Entwicklungen eingehenden Gedanken waren Jahre mit einer „8“ am Ende der Jahreszahl.

Er erinnerte an das Endes des 30-jährigen Krieges im Jahr 1648 der als religiöse Auseinandersetzung begann, dann zum regionalen Machtkampf wurde aber auch im Westfälischen Frieden die neue Form von souveränen Staaten Wirklichkeit werden ließ. Mit Hinweis Jahr 1878 wies Raidl darauf hin, dass wiederum der Streit um ein Gebiet, diesmal das von Bosnien-Herzegowina, letztlich zum Ausbruch des 1. Weltkrieges massiv beigetragen hat.

Schließlich ging Dr. Raidl auf die Zeitgeschichte ein und setzte sich mit der Frage auseinander, warum es nicht gelang, nach der Gründung der Republik (Deutsch-)Österreich ein Österreichgefühl zu entwickeln und stellte fest, dass es den damaligen Parteien vor allem um die eigene Existenz und nicht um das Wohl des Landes und seiner Bevölkerung ging. Dazu erinnerte er an das Revolutionsjahr 1848 in dem viele heute als selbstverständlich betrachtete Freiheiten vorangetrieben, diese aber immer wieder beiseite geschoben wurden. Es habe 100 Jahre gedauert, bis die Vereinten Nationen diese Freiheiten in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niederschrieb.

Zum historisch noch immer umstrittenen Jahr 1938 stellte er fest, dass Österreich ein zutiefst uneiniges Land war und dass manche vom Anschluss eine Verbesserung der Situation erhofften, „auch viele Glocken haben damals geläutet“ erinnerte Dr. Raidl an eine in diese Richtung neigende österreichische Kirche.
Als letztes relevantes „8-er Jahr“ sprach er 1968 an. Es war der Startpunkt zu einer aufgeklärten Bewusstseinsbildung die heute noch wesentlich ist, allerdings haben nicht alle damaligen Ideen eine langfristige positive Entwicklung mit sich gebracht.

„Wir leben in einer Zeit der ahistorischen Entwicklung und Erziehung“ bedauerte Claus Raidl abschließend das heutige Vermeiden einer Auseinandersetzung mit historisch dokumentierten Erfahrungen zum Vorteil einer positiven Entwicklung in der Gegenwart.

Die ganze Ansprache kann auch als Audio-Mitschnitt nachgehört werden. (Dauer 28 Minuten)

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