Gedenken an jüdisches Glauben und Leben in Döbling

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Tag des Judentums 2015 im Gedenken an jüdisches Glauben und Leben in Döbling

von Dr. Elisabeth und Mag. Hans-Joachim Lutter

Eine der ersten Veranstaltungen zum diesjährigen Tag des Judentums fand am 15. Jänner in der Villa Wertheimstein statt. Anknüpfungspunkt war die ehemalige Döblinger Synagoge, gestiftet 1907 von Julius Lederer – eine Gedenktafel in der Dollinergasse 3 erinnert an sie. Die nahe gelegene Villa Wertheimstein wurde als Veranstaltungsort gewählt, um an die doppelte Bedeutung der jüdischen Döblinger Familien bis zum „Anschluss“ 1938 zu erinnern: als gläubige Menschen (daher die Tempel-Stiftung ) und als Kulturträger, gerade in Döbling. Namen wie Zuckerkandl, Wertheimstein, Gomperz, Mahler-Werfel sind nur Beispiele – und eben auch Lederer. Eine Wiener Lederer-Verwandte wurde auf die geplante Veranstaltung aufmerksam und verwies auf ihren Cousin Eytan Lederer, Urenkel des Synagogen-Stifters, in Israel. Als Zeitzeuge wurde er eingeladen, bei der Veranstaltung am 15. Jänner zu sprechen. Er nahm die Einladung sehr gerne an – und zum Anlass, ein erstes Lederer-Großfamilientreffen zu diesem Gedenktag einzuberufen. Und 37 Lederers aus vier Generationen und aus der ganzen Welt kamen: von Amerika bis Neuseeland, aus Israel, Holland, Deutschland, Frankreich und Portugal! Sogar der Bundespräsident lud die Lederers und die Organisatoren dieses „Tags des Judentums“ zu einem Empfang in die Hofburg. Ebenso die drei Präsidenten des Zentrums für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

IMG_2102In die Villa Wertheimstein, den einst letzten großen „Salon“ der Wiener Geisteswelt, kamen über an die 200 TeilnehmerInnen. Das Programm wollte sowohl dem religiösen wie dem kulturellen und historischen Aspekt des Anlasses Rechnung tragen. Es gab Kurzreferate des Alttestamentlers der Universität Wien Georg Braulik, einer Kuratorin des Jüdischen Museums Wien, G. Kohlbauer-Fritz, und des Synagogen-Forschers Pierre Genée; Texte aus den Psalmen und dem Buch Ezechiel wurden von der katholisch-evangelischen Geistlichkeit des 18. Und 19. Bezirks zusammen mit VertreterInnen der in der Ökumene-Arbeit vernetzten Dekanate 13 bis 19 gelesen, zum Abschluss gab es eine Führung durch die einstigen Wohnräume der Familie Wertheimstein. Der Ausklang fand bei koscherem Brot und Wein im Keller des „Nonnenstöckls“ der Villa statt.

Veranstalter, Teilnehmer und die Familie Lederer selbst waren tief berührt von dieser Feier die geprägt war von wechselseitiger Wertschätzung und Herzlichkeit. Eytan Lederer: „Wir sind mit gemischten Gefühlen nach Wien gekommen, aber dieser Abend gab uns das Gefühl, dass Wien uns eine Hand entgegen streckt“, und eine Cousine: „Diese Tage waren wunderbar, sie haben mein Leben verändert“, eine andere: „Meine Adoptiveltern gaben mir Flügel, aber erst heute habe ich meine Wurzeln gefunden.“

Wahrscheinlich ist genau das gemeint, wenn der Ökumenische Rat der Kirchen den Tag des Judentums als „Rückbesinnung auf die gemeinsamen Wurzeln“ bezeichnet: eine Rückbesinnung nicht nur der Christen auf ihre Wurzeln im Judentum, sondern das gemeinsame Besinnen von Christen und Juden auf so viel Verbindendes im Laufe der Jahrhunderte, ohne das Trennende und Schreckliche darüber zu vergessen oder unerwähnt zu lassen.

Diese Tradition, am Ort einer einstigen Synagoge ein gemeinsames Gedenken zu begehen, hat im Vorjahr in Währing begonnen und wird in den nächsten Jahren in Hietzing und Fünfhaus fortgesetzt werden.

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